Region
„Heimatpflege im besten Sinn“
Der Verein Fakt lud zum Neujahrsempfang am Heidengraben – Minister Alexander Bonde hält Festrede
Zum Neujahrsempfang brachte der Förderverein Fakt wieder die drei Gemeinden am Heidengraben – Grabenstetten, Erkenbrechtsweiler und Hülben – zusammen. Den Gästen geboten wurden unter anderem festlich aufspielende Streicher und Minister Alexander Bonde.
GRABENSTETTEN. Der Ballon steigt auf und unter den Füßen eröffnet sich das Erlebnisfeld Heidengraben, mit Hüle, Infocenter und Spielplatz. Eine 3-D-App machte den Besuchern des Neujahrsempfangs am Heidengraben in der Falkensteinhalle einen Rundgang möglich. Das Erlebniszentrum solle das riesengroße archäologische Denkmal an einem Punkt konzentrieren und Besucher informieren, wie Archäologe Dr. Gerd Stegmaier am Rande des Empfangs erzählte. Von dort aus soll es über einen archäologischen Wanderweg, für dessen Planung und Konzeption ein Antrag beim Förderprogramm Biosphärengebiet Schwäbische Alb gestellt wurde, raus in die Landschaft gehen, um das Oppidum zu erleben.
Immerhin: 2330 Fußballfelder würden in das Oppidum Heidengraben passen, rechnete Grabenstettens Bürgermeister Harald Steidl den Gästen vor. „Es gibt hier noch so viel zu entdecken“, sagte er in seiner Begrüßung. Erst circa 17 der insgesamt 1626 Hektar umfassenden Fläche, also gerade mal ein Prozent, seien erforscht. Das Leben der Kelten wollen die Gemeinden Grabenstetten, Hülben und Erkenbrechtsweiler für die Menschen erlebbar machen. „Wir erinnern gemeinsam an unser einzigartiges kulturhistorisches Erbe in der Region Heidengraben.“ Der Förderverein Fakt zeige mit seinem Empfang, dass das Miteinander der Region am Heidengraben selbstverständlich sei. „Wir haben die Zukunft im Blick“, sagte Steidl. Gemeinsam wollen sie „das Projekt Erlebnisfeld Heidengraben mit gebündelter Kraft, auch mit Hilfe des Landes Baden-Württemberg, auf ein sicheres, zukunftsfähiges Gleis stellen“. Wie das Erlebnisfeld vollendet aussehen könnte, führte Steidl in einem Film in 100 Sekunden auf der Leinwand vor.
Inwieweit das Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, beeindruckte, bleibt ungewiss. In seiner Festrede lobte er das ehrenamtliche Engagement der Region, „das aus der Heimat ein liebens- und lebenswertes Land macht, das in diesen Zeiten, wie wir sie jetzt erleben, nicht wegzudenken wäre“. Er stellte die unruhige Weltlage der erfolgreichen Wirtschaft und der niedrigen Arbeitslosenquote in Deutschland gegenüber. Er lobte Baden-Württemberg als weltoffen und naturverbunden, das Biosphärengebiet als Erfolgsmodell. „Naturschutz und Landschaftspflege sind kein Selbstzweck“, sagte er. Es sei Ausdruck des verantwortlichen Umgangs mit der Identität. Da setze Fakt an. „Sie betreiben Heimatpflege im besten Sinn.“
Mitklatschen war ansonsten das Gebot des Abends, etwa als das Ensemble Artefakt nach festlich getragenen Stücken von Rameau und Mendelssohn bislang noch nie Dagewesenes bot: Die Musiker tauschten das elegante Schwarz gegen karierte Hemden und Blusen und spielten Musik von der Grünen Insel, keltische also. Ein „Bravo“ gab’s zum Applaus obendrauf. Oder als die Mädchen der Hülbener Tanzschule eine glitzernde pink-rot-goldene Abba-Welt inszenierten, so manch einen zum Mitsingen und die Bühne buchstäblich zum Beben brachten.
„Wir haben dagegengehalten, damit nichts passiert“, sagte Fakt-Vorsitzender Peter Heiden, der launig durch den Abend führte, nach dem Auftritt. Aber auch Christine Kuders Schneeflocken, Cats und russische Tänzerinnen wurden mit viel Applaus belohnt. Der Heidengrabenchor sang mit kräftigen Männerstimmen Heimatlieder, der Hülbener Musikverein brachte mit Marsch, Ballade, Polka und einem Medley das Publikum gar zum dezenten Schunkeln.