Frickenhausen
Haushalt in Frickenhausen: Warum der Bürgermeister nachts gut schlafen kann
Simon Blessing bringt den Etatentwurf ein. Drei Millionen Euro sollen investiert werden.
FRICKENHAUSEN. Klar, die Tälesmetropole macht da keine Ausnahme: Die Gemeinden in Baden-Württemberg befinden sich in schwieriger finanzieller Lage. Auch für das laufende Jahr kann der Haushaltsplan nicht ausgeglichen werden, wie der stellvertretende Kämmerer Lukas Walter die Gemeinde- und Ortschaftsräte in der Gemeinderatssitzung am Dienstag via Vorlage wissen ließ. Im Prinzip gibt man mehr aus, als man einnimmt. Dennoch sagte Bürgermeister Simon Blessing: „Aber ich kann Ihnen versichern, dass sowohl die Kämmerei als auch ich nachts sehr beruhigt schlafen können.“ Woran liegt das?
Ganz einfach: Laut Lukas Walter hat die stagnierende wirtschaftliche Lage Frickenhausen noch nicht erreicht. Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren von den hohen Gewerbesteuern profitiert und so ordentliche Rücklagen bilden können, schreibt der Kämmerer in seinem Haushaltsplanentwurf, den Bürgermeister Simon Blessing vorstellte, da Walter sich just an diesem Abend als Bürgermeisterkandidat im Dorf Berghülen vorstellte.
Rücklagen sorgen für Ruhekissen
Mit genau diesen Rücklagen gleicht man denn auch das Defizit im Haushaltsplan aus. 2,1 Millionen Euro nimmt man tatsächlich im rund 31 Millionen Euro ausweisenden Ergebnishaushalt, in dem der laufende Betrieb der Gemeinde abgebildet wird, zu wenig ein. Das Geld nimmt man aus den Rücklagen, die man sich ein bisschen wie ein Gemeinde-Sparbuch vorstellen kann. Zum Jahresende schmilzt das finanzielle Ruhekissen der Kommune dann planmäßig auf 14,3 Millionen Euro ab. Man verfüge weiter über liquide Mittel in Höhe von 28 Millionen Euro, so Blessing. Das sind Festgeldanlagen, Geschäftsanteile an der Netze BW und Mittel auf dem Girokonto.
Eben jene liquiden Mittel haben einen positiven Effekt, wie Blessing erklärt: „Die enormen liquiden Mittel sorgen dafür, dass wir unsere künftigen Investitionen aus eigener Tasche stemmen können, ohne einen Kredit aufnehmen zu müssen.“ Im Prinzip, so der Schultes, könnte die Gemeinde mit diesen Geldern ein komplettes Haushaltsjahr ohne Geldmittelzufluss bestreiten. Rund 3,2 Millionen Euro werden in diesem Jahr investiert. Als hauptsächliche Investitionen in diesem Jahr nennt Blessing unter anderem die Brückensanierung und die Erschließung des Baugebiets Hanfäcker in Linsenhofen sowie die Umgestaltung der Straße Im Dorf in Frickenhausen.
Man will unabhängiger von der Gewerbesteuer werden
Trotz der momentan relativ soliden Haushaltssituation müsse man aufgrund der geopolitischen Lage weiterhin besonnen mit den Finanzen umgehen, damit man kommunale Pflichtaufgaben zuverlässig erfüllen könne, so der Schultes. Blessing: „Strukturell müssen wir weiter daran arbeiten, dass wir mittelfristig noch unabhängiger von der stark schwankenden Gewerbesteuer sind.“ Dann können Bürgermeister und Kämmerei in Frickenhausen weiterhin gut schlafen. Die Fraktionen werden nun in der Sitzung am 28. April ihre Haushaltsreden halten und ihre Anträge einbringen.
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