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Frickenhausen baut und wird kleiner - Gemeinderat stimmte für Bebauungsplan „Hanfäcker“
Frickenhäuser Gemeinderat stimmte für den Bebauungsplan „Hanfäcker“ – Flächentausch verändert Gemarkungsgrenzen
Der Bebauungsplan des Gebiets „Hanfäcker“ brachte viel Diskussionspotenzial mit sich, doch am Ende kam es zu keinen Überraschungen: Alle Beschlussvorlagen, die die Verwaltung in der Frickenhäuser Gemeinderatssitzung am Dienstag vorlegte, wurden angenommen – viele davon sogar einstimmig.
FRICKENHAUSEN. Die Albregion ist mit zahlreichen und vielfältigen Biotopen gesegnet. Diese bieten Tieren wichtige Lebens- und Rückzugsräume. Da auch die Gemeinde Frickenhausen dazu beitragen möchte diese zu erhalten, standen sie gleich zu Beginn der Gemeinderatssitzung als Thema auf der Tagesordnung.
„Leider beobachten wir derzeit eine Fragmentierung der Biotope“, erklärte Professor Christian Küpfer vom Nürtinger Landschaftsplanungsbüro „StadtLandFluss“: „Das bedeutet, dass die Biotope zwar bestehen, allerdings nicht miteinander verbunden sind. Somit können sich die dort heimischen Tiere nur innerhalb einer kleinen Gruppe fortpflanzen. Mittel- und langfristig führt das zu Inzesteffekten und Artensterben.“
Um dem entgegenzuwirken, fördert das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft die Erstellung von Biotopverbundplänen mit bis zu 90 Prozent. Auch die Umsetzung der Maßnahmen wird mit bis zu 70 Prozent bezuschusst. In dem Biotopverbundplan sollen dafür nun zunächst mögliche Wege und Linien ermittelt werden, die eine Brücke zwischen den Kerngebieten bilden können. Infolgedessen wolle man erste Maßnahmen herausarbeiten. Mit den Ergebnissen könne man bis zum Sommer rechnen, sagte Küpfer.
Der Beschlussfassung, einen Förderantrag für das Erstellen eines solchen Biotopverbundplans zu stellen, wurde mit 17 zu einer Stimme bei einer Enthaltung zugestimmt.
Dem Bebauungsplan für das Gebiet „Hanfäcker“ wurde zugestimmt
Einstimmig angenommen wurde die Vergabe der Bauleistungen am Regenüberlaufbecken 800 zwischen Linsenhofen und Frickenhausen. Diese waren nötig geworden, da aufgrund einer hitzebedingten Störung Abwasser in die Steinach geflossen war und dort zu Fischsterben führte. Bürgermeister Simon Blessing sprach sich dafür aus, so schnell wie möglich zu handeln, um einer etwaigen erneuten Störung in den warmen Sommermonate entgegenzuwirken. Die Gesamtkosten für die Arbeiten belaufen sich auf 200 000 Euro; die Ausführung ist für den frühen Juli geplant.
Daraufhin stellte Rainer Metzger vom Ingenieurbüro Melber und Metzger den Bebauungsplan für das etwa 1,7 Hektar große Gebiet „Hanfäcker“ vor, das sich in Linsenhofen zwischen der Beurener Straße und dem Schönnagelweg befindet. Neben Wohngebäuden in unterschiedlicher Größe ist dort auch ein Bereich angedacht, in dem altersgerechte Wohnformen gebaut werden sollen. „Bevor wir darüber entscheiden, wird es allerdings im Oktober eine Bürgerversammlung zu diesem Thema geben“, sagte Bürgermeister Blessing: „Hierzu sind die älteren Einwohner der Gemeinde herzlich eingeladen. Gemeinsam mit einer Fachfrau werden wir dort unsere Ideen präsentieren. Kommt dann positives Feedback, können wir weiterplanen.“
Um dem Natur- und Klimaschutz Folge zu leisten, wurden für die Neubauten in dem Gebiet einige Vorgaben festgesetzt: So herrscht zum Beispiel eine Pflicht zur Errichtung von Solaranlagen; kleinklimatischen Auswirkungen möchte man mit Pflanzgeboten und der verbindlichen Begrünung von Flachdachgaragen entgegenwirken. Am Rande des Baugebiets wird darüber hinaus ein etwa 900 Quadratmeter großer Bereich unbebaut gelassen, da bei einer artenschutzrechtlichen Prüfung ein Bestand an Zauneidechsen gefunden wurde.
Eine Diskussion entwickelte sich über die richtige Berechnung der Stellplätze. Nach eingehender Überlegung wolle man von der bisherigen Quote abweichen, erklärte Bürgermeister Blessing. Bei Bauprojekten in der Vergangenheit verlangte die Gemeinde einen Stellplatz für Wohneinheiten unter 80 Quadratmetern und anderthalb Stellplätze für größere Einheiten.
In dem Bebauungsplan wurde diese Grenze nun auf 60 Quadratmeter gesenkt. Dies gelte jedoch ausdrücklich zunächst nur für dieses spezielle Plangebiet, sagte Blessing. Ob man auch bei zukünftigen Projekten derart verfahre, müsse zunächst rechtlich geprüft werden. Dem Bebauungsplan wurde einstimmig zugestimmt.
Frickenhausen schrumpft um knapp 3500 Quadratmeter
Auch eine Änderung der Gemarkungsgrenzen fand keine Gegenstimmen oder Enthaltungen. Um den nötigen Abstand zum Wald im Baugebiet „Alter Sportplatz“ einzuhalten, wurden Flächen mit der Stadt Nürtingen getauscht. „Da sich die Gemarkungsgrenzen nun außerdem an einem Waldweg orientieren, ist nun auch leichter nachzuvollziehen, wo welches Gebiet endet“, sagte Blessing. Frickenhausen tritt ein Gebiet von 12 856 Quadratmetern an Nürtingen ab und erhält im Gegenzug eine Fläche von 9406 Quadratmetern. Einwohner sind von den neuen Gemarkungsgrenzen nicht betroffen.