Beuren
Flotter Tanz und ein wenig Nostalgie im Gartensaal im Freilichtmuseum Beuren
Beim „Tanz im Gartensaal“, zu dem das Freilichtmuseum eingeladen hatte, legten rund 80 Gäste eine flotte Sohle aufs Parkett. Viele erinnerten sich an die Zeit des Aufschwungs, wie etwa Inge Hafner, die selbst im Gartensaal aufgewachsen ist, als dieser noch nicht in Beuren, sondern in Geislingen war.
BEUREN. Mit unvergessenen Liedern der Fünziger- und Sechzigerjahren ist am Sonntag im Freilichtmuseum Beuren die Post abgegangen: zu Titeln wie „Hello, Mary Lou“, „Sugar Sugar Baby“ oder „Ich will keine Schokolade“, zusammengestellt von Helga Hugo. Das Freilichtmuseum hatte zum „Tanz im Gartensaal“eingeladen, einem historischen Gebäude aus Geislingen an der Steige, das in dieser Zeit seine Blüte als Ausflugsziel in der ehemaligen Gaststätte Wilhelmshöhe hatte.
Inge Hafner, Ehrenamtliche des Museums, ist dort aufgewachsen und berichtete in den Tanzpausen aus ihren Erinnerungen. Janina Willrich, wissenschaftliche Mitarbeiterin, begrüßte rund 80 Gäste aus der Region – und aus Geislingen selbst. „Seit 2019, als der Gartensaal ins Museum transferiert wurde, ist das heute die dritte Veranstaltung dieser Art“, sagte Willrich. Und ergänzte: „Wir möchten, dass die Gäste in die Lebenswelt früherer Generationen der Region eintauchen können.“
Vom Leben in den Sechzigerjahren
Zum Tanzen war vorwiegend ein Publikum nach Beuren gekommen, das diese Zeit noch selbst erlebt hat und sich vergnüglich in die Jugendjahre zurückversetzen ließ. Die Szene, die Freunde dieser Ära, sind gut vernetzt: Vielfach hatten sich ganze Gruppen zum Event verabredet. Theresia und Andreas Kaufmann sowie Petra Moser aus Pfullingen sind Fans des Boogie-Woogie und freuten sich auf nostalgische Tänze. „Mich reizt an dieser Zeit die positive Aufbaustimmung“, so die Moser, geboren 1961, die in einem Originalkleid der Sechziger angereist war. „Alle fingen von vorn an. Es gab Nähkurse und Stoffe, um selbst seine Kleidung herstellen zu können. Nach und nach kamen schöne Kleidung, neue Möbel, tolle Autos – alles, was heute selbstverständlich ist, war damals sehr kostbar.“
Vieles, etwa der Petticoat und Rock'n'Roll, war aus Amerika gekommen. „Die Musik war Teenagermusik und kam bei vielen Älteren nicht so gut an. Sänger wie Peter Kraus übertrugen die Songs dann ins Deutsche“, so Moser weiter. Heute werden gerne Kleider der Epoche nachgenäht. „Aber damals gab es nicht so viele Stoffe mit Tupfen, wie man heute denkt. Typisch waren auch nicht dunkle Stoffe mit Blumen. Nach dem Krieg wollte man Buntes, Fröhliches, Helles.“ Hoch im Kurs standen auch grafische Muster.
Der Tanzsaal, ein Zeugnis des Wirtschaftsaufschwungs
„Ich freue mich, dass der elterliche Saal wieder zu Ehren kommt“, sagte Inge Hafner. Anno 1892 hatte ihr Urgroßvater Johannes Hafner, Wirt „Zum Grünen Baum“, ein viel beachtetes Gartenfest veranstaltet. Deshalb eröffnete er 1893 den Gartensaal mit einem rauschenden Fest, bei dem auch die WMF-Werkskapelle spielte. 1911 erbaute der Sohn Georg Hafner das Restaurant „Wilhelmshöhe“, 1937 und 1953 wurde der Saal erweitert. Die zugehörige Gartenwirtschaft bot Platz für 1000 Personen, so Hafner.
Ihre Mutter habe mit nur zwei Hilfskräften 300 Leute im Saal verköstigt, erzählte Inge Hafner weiter: „Dieser Zulauf war eng verbunden mit der Industrialisierung im Filstal. In der Zeit des Aufbruchs wurde WMF Weltfirma.“ Nach den Kriegsjahren sei ein neues Lebensgefühl entstanden. „Auf der Wilhelmshöhe gab es jedes Wochenende ein Tanzvergnügen“, so Hafner.
Umgangsformen wurden in einem Kodex festgelegt
Umgangsformen wurden entwickelt und schriftlich festgehalten. So sollte sich ein Herr bei der Aufforderung einer Dame nicht weiter als drei Schritte nähern und sich verbeugen. Die Dame antwortete ebenfalls mit einer kleinen Verbeugung. Glücklicherweise, so Inge Hafner, sei ihr Vater ein Sammler gewesen. Daher hat sie noch sowohl die alten Wilhelmshöhe-Prospekte als auch das typische Alubesteck der Gastwirtschaften, das später durch WMF-Bestecke ersetzt wurde. Darauf hätten die Gäste auch sehr geachtet. Anschaffungen seien damals echte Entscheidungen gewesen: „In den Familien beriet man darüber, was als Nächstes gekauft werden solle. Eine Waschmaschine, ein Käfer oder ein Fernsehgerät, das damals 1890 Mark kostete.“ Alles habe man sorgfältig abgewogen.
Nach dem Beitrag ging es mit „Let's Twist Again“ und den beiden „Kleinen Italienern“ wieder auf die Tanzfläche. Ob das Tanzen „Teufelswerk“ sei, fragte Marina Fuchs in der nächsten Pause mit ihren schwäbischen Gedichten und antwortete: Es sei im Gegenteil ein sehr alter Brauch, der noch dazu jung halte.
Neckartailfingen | 28.07.2025 - 16:00
Sperrung des B297-Tunnels: RP reagiert auf Kritik aus Nürtingen und Aichtal
Auf die deutlichen Worte aus den Kommunen antwortet das Regierungspräsidium Stuttgart nun mit einer Stellungnahme und äußert sich unter anderem zu einer möglichen Ampelregelung am Tunnel in Neckartailfingen.
Landkreis Reutlingen | 28.07.2025 - 14:00
Bad Urach feiert Schäferlauf 2025 mit 30.000 Zuschauern
Die Kurstadt ist fast aus allen Nähten geplatzt: Zahlreiche Zuschauer sind von Freitag bis Sonntag zum traditionellen Brauchtumsfest geströmt. Höhepunkte waren am Sonntag die Festumzüge und das Rennen um die Schäuferlauf-Krone.