Aichtal

Finanzlage in Aichtal bleibt angespannt

Die Stadt Aichtal rechnet im laufenden Jahr mit einem etwas geringeren Defizit als ursprünglich geplant. Entwarnung gibt es jedoch nicht: Hohe Investitionen, sinkende Rücklagen und dauerhaft erwartete Fehlbeträge stellen die Stadt vor große finanzielle Herausforderungen.

Der Haushaltzwischenbericht fällt in Aichtal etwas positiver aus, als erwartet. Foto: AdobeStock/rdnzl

AICHTAL. Die Stadtverwaltung Aichtal hat in einer Pressemitteilung über die aktuelle Entwicklung der städtischen Finanzen informiert. Anlass ist der Haushaltszwischenbericht, den der Gemeinderat zur Kenntnis genommen hat. Demnach entwickelt sich der Haushalt 2026 etwas besser als bei der Verabschiedung des Etats erwartet. Das geplante Defizit von 2,83 Millionen Euro dürfte voraussichtlich etwas geringer ausfallen. Ein ausgeglichener Ergebnishaushalt bleibt nach aktuellem Stand jedoch unrealistisch.

Gewerbesteuer über den Erwartungen

Für die positive Entwicklung sorgt laut Stadtverwaltung vor allem die Gewerbesteuer. Mitte Juli lag der Veranlagungsstand für das gesamte Jahr bei rund 4,9 Millionen Euro. Im Haushalt waren 4,1 Millionen Euro eingeplant. Auch bei weiteren Erträgen, etwa aus Gebühren und Verwaltungsleistungen, erwartet die Stadt zusätzliche Einnahmen. Insgesamt wird hier mit einem Plus von rund 100.000 Euro gerechnet.

Auch auf der Ausgabenseite zeichnet sich eine gewisse Entlastung ab. Trotz der Tarifsteigerungen werden die Personalkosten nach Angaben der Stadt voraussichtlich unter elf Millionen Euro bleiben. Mehrere Stellen waren zeitweise unbesetzt oder konnten erst mit Verzögerung wiederbesetzt werden. Deshalb erwartet die Verwaltung derzeit keine Überschreitung des Personalbudgets.

Auch bei Sach- und Dienstleistungen dürften die Ausgaben niedriger ausfallen als geplant. Insgesamt könnten die Aufwendungen rund 500.000 Euro unter dem Haushaltsansatz liegen. Ein Teil dieser Entlastung wird allerdings durch die höhere Gewerbesteuerumlage wieder aufgezehrt.

Große Investitionen verschieben sich

Bei den Investitionen zeigt sich ein anderes Bild. Bis Mitte Juli hatte die Stadt rund 1,4 Millionen Euro für Investitionen ausgegeben. Dazu gehörten insbesondere Baumaßnahmen, der Erwerb von Sachvermögen, Tilgungen sowie ein Zuschuss für eine Arztansiedlung.

Das umfangreiche Investitionsprogramm wird 2026 voraussichtlich nicht vollständig umgesetzt werden können. Noch offene Maßnahmen müssen deshalb teilweise in die Haushalte der kommenden Jahre verschoben werden. Zu den größeren Vorhaben gehören die Sanierung des Ortskerns Neuenhaus, die Kita „Brücke 1Plus“ und die Sanierung des Rathauses Aich.

Wie geht es mit dem Feuerwehrhaus weiter?

Eine weitere wichtige Frage ist der geplante Neubau des Feuerwehrmagazins. Die Stadt ist im Mai 2026 in Grundstücksverhandlungen eingestiegen. Bislang liegen die Vorstellungen über die Konditionen eines möglichen Grundstückserwerbs jedoch noch auseinander. Die Gespräche sollen fortgesetzt werden. Die Verwaltung hofft, in den kommenden Wochen Klarheit darüber zu bekommen, ob eine einvernehmliche Lösung möglich ist.

Noch keine neuen Kredite notwendig

Im Kernhaushalt musste Aichtal bislang keine neuen Darlehen aufnehmen. Der Kassenstand ist derzeit noch solide, wird nach Einschätzung der Verwaltung jedoch deutlich zurückgehen. Sobald die großen Investitionsvorhaben stärker anlaufen, wird die Stadt voraussichtlich nicht mehr ohne Fremdkapital auskommen.

Auch die Rücklagen werden kleiner. Die positiven Jahresergebnisse der vergangenen Jahre setzen sich nicht fort. Für die Jahre 2026 bis 2029 rechnet die Stadt im Durchschnitt mit einem Defizit von rund drei Millionen Euro pro Jahr. Eine solche Entwicklung ist nach Einschätzung der Verwaltung auf Dauer nicht tragfähig.

Stadt prüft Einsparungen und höhere Einnahmen

Die Verwaltung will deshalb weiterhin Ausgaben begrenzen und gleichzeitig zusätzliche Einnahmemöglichkeiten prüfen. Gebühren für Kindertagesstätten, Bestattungen und Verwaltungsleistungen wurden bereits neu kalkuliert. Als Nächstes sollen Nutzungsentgelte und Steuersätze überprüft werden. Auch freiwillige Leistungen der Stadt bleiben auf dem Prüfstand.

Eine Entscheidung über die Zukunft des Hallenbads soll frühestens im Herbst fallen. Grundlage dafür soll ein Gutachten über den baulichen Zustand des Bads sein.

Die Grundsteuerreform hat das Gesamtaufkommen der Stadt laut Pressemitteilung weitgehend auf dem bisherigen Niveau gehalten. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte der Gemeinderat den Hebesatz deutlich gesenkt. Für einzelne Eigentümer können sich dennoch spürbare Veränderungen bei der Grundsteuer ergeben.

Schwierige Aussichten für den Haushalt 2027

Die Haushaltsplanung für 2027 dürfte nach Einschätzung der Verwaltung noch anspruchsvoller werden. Steigende Bau-, Energie- und Unterhaltungskosten treffen auf wachsende Pflichtaufgaben. Gleichzeitig muss Aichtal weiterhin in wichtige Bereiche wie Kinderbetreuung, Schulen, Feuerwehr und Infrastruktur investieren.

Damit steht die Stadt vor einem schwierigen Spagat: Sie muss notwendige Investitionen finanzieren und gleichzeitig ihre laufenden Defizite reduzieren. Die derzeit bessere Entwicklung bei Gewerbesteuer und Ausgaben verschafft zwar kurzfristig etwas Luft, löst die strukturellen Probleme aber nicht.

Der Haushaltsentwurf für 2027 soll am 24. September eingebracht werden. Die Beschlussfassung ist für den 9. Dezember vorgesehen.

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