Unterensingen
Das neue Unterensinger Rathaus wurde am Samstag eingeweiht
Rund 100 Gäste kamen. Bürgermeister Friz spricht von einem weiteren Meilenstein in der Infrastruktur der Gemeinde.
UNTERENSINGEN. „Nüchtern betrachtet haben wir einen weiteren Meilenstein in der interkommunalen Infrastruktur erreicht“, sagte Bürgermeister Sieghart Friz: „Doch ein Rathaus ist auch das politische Herz der Gemeinde, auf das die Bürgerschaft stolz ist.“ Am Samstagmorgen wurde unter Beteiligung von etwa 100 Gästen und mit musikalischer Umrahmung durch die Unterensinger Blasmusik offiziell das neue Rathaus eingeweiht. Letztere hatten eigens für den Festakt ein Lied für den Neubau gedichtet und gesungen.
Unter den Ehrengästen begrüßte Friz den Bürgermeister von Großbettlingen Christopher Ott, den Bürgermeister von Oberboihingen Ulrich Spangenberg sowie Vertreter des Gemeinderats und der Kirchen.
Seit Jahrzehnten, so Friz, habe man über die Rathausfrage diskutiert. 1976 sei der Fachwerkbau des alten Rathauses saniert worden, doch die Frage nach einem zeitgemäßen Gebäude sei immer wieder aufgeflackert. Ein Rathaus sei ein besonderes Bauwerk, in dem weitreichende Entscheidungen getroffen würden und mit dem sich die Bevölkerung identifiziere: „Es gehört unbedingt in die Ortsmitte, mitten hinein in das Ensemble historischer Bauwerke.“
2016 habe der Gemeinderat diese Entscheidung getroffen. Das Grundstück habe bereits der Gemeinde gehört, was die Baukosten in der Hanglage verringert habe. Unter der Leitung von Professor Andreas Theilig sei ein Wettbewerbsverfahren 2018 gemacht worden, 2020 begannen die Arbeiten, im Dezember 2022 zog die Verwaltung ein.
Auf der ehemaligen Freifläche entstand nach dem Entwurf von Fabian Panzer ein viergeschossiges Gebäude, das zur Hälfte in den Hang gebaut wurde. Mit seinem Sandsteinsockel, Putz in den Geschossen, einem Dachstuhl in klassischer Zimmermannsarbeit und einer Biberschwanzdeckung wie bei der Kirche passt es sich, so Panzer, gut in das Ensemble ein. Die äußere Form sei ein Polygon, das ähnlich wie ein Kristall in seine Umgebung eingeschliffen werden musste. Das Gebäude sei sehr gut isoliert und werde durch Erdsonden und Wärmepumpe beheizt. Eine Tiefgarage soll helfen, die Parkplatzsituation zu entschärfen.
Innen hell und freundlich gestaltet
Das Rathaus wurde im Innern hell und freundlich gestaltet und wird durch ein Atrium mit Tageslicht beleuchtet. Für das Treppenhaus wurde Eichenholz verwendet. Im Erdgeschoss ist das Bürgerbüro untergebracht, ein offenes Foyer dient als Kommunikationszone. Dank einer guten Mannschaft habe man die Probleme von Corona über Materialengpässe bis zur Energieverteuerung gut meistern können.
„Die verbesserten Arbeitsabläufe in größeren, funktionalen Büros steigern auch die Zufriedenheit der Mitarbeiterschaft“, sagte Friz. Gerade in der heutigen Zeit könne das eine Trumpfkarte zur Mitarbeitergewinnung sein. Von 5,3 Millionen Euro Baukosten wurden 900000 Euro vom Landessanierungsprogramm übernommen. Friz freute sich, dass man das Vorhaben so gut und rechtzeitig über die Bühne habe bringen können: „Heute wäre es viel teurer.“
Die Gemeinde habe ihre Projekte immer forciert und nach Förderzusage schnell realisiert. Friz dankte der Kommunalentwicklung Baden-Württemberg, vor allem Norbert Neuser, der das Vorhaben perfekt begleitet habe. Sein Dank galt auch den beteiligten Firmen, den Verantwortlichen im Regierungspräsidium Stuttgart, den Landtagsabgeordneten und dem Gemeinderat. Ärgerlich sei nur, dass die Außenanlagen nicht pünktlich fertig geworden seien, obwohl man tätige Hilfe angeboten habe.
Auch das alte Rathaus soll bald wieder zur Verfügung stehen
Bis Ende 2024 soll auch das alte denkmalgeschützte Fachwerkrathaus fertig sein, das ein Trauzimmer, den Ratssaal sowie Besprechungs- und Arbeitsräume enthalten soll und dafür gerade entkernt wird: „Wenn alles fertig ist, feiern wir ein noch größeres Fest.“
Landrat Heinz Eininger gratulierte zum neuen Bauwerk, das die Ortsmitte belebe: „Unterensingen hat viel geleistet.“ Man brauche attraktive Räume für die Verwaltung, die oft genug zuletzt berücksichtigt werde. Als Geschenk überreichte Eininger die von Bildhauer Professor Werner Pokorny geschaffene Holzskulptur „Turm“.
Norbert Neuser wies auf den bundesweiten Tag der Städtebauförderung hin, der am Tag der Einweihung begangen werde: „Altes und Neues soll zusammengebracht werden, die alten Ortskerne sollen erhalten werden.“ Unterensingen sei sehr rege und seit 1985 ununterbrochen in der Städtebausanierung tätig. Die Mittel zum Umbau des historischen Rathauses seien bereits bewilligt: „Das wird eine ganz tolle Sache.“
Kirchheim | 14.05.2023 - 13:54
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