Region
Bildung fängt im Kindergarten an
Hirnforscher Professor Preiß stellte mit den Mädchen und Buben im Kindergarten Krautgärten das „Zahlenland“ vor
Kinder lernen „natürlich“, durch Spielen, Nachahmen und Erkunden. Diese frühkindliche Entwicklung gezielt zu fördern, hat sich der Hirnforscher Professor Gerhard Preiss zur Aufgabe gemacht. Wie sich Kinder in seinem „Zahlenland“ spielerisch bewegen, demonstrierten er und Kindergartenleiterin Gabriele Winter gestern im Kindergarten „Krautgärten“.
FRICKENHAUSEN. Gabriele Winter hat Professor Preiß 2004 bei einem Seminar kennengelernt. Sie war damals noch Kindergartenleiterin in Tischardt und hat dort mit dem „Zahlenland“ gute Erfahrungen gemacht. Preiß Ideen und Projekte zur frühkindlichen Förderung, die aus seiner Beschäftigung mit der Hirnforschung hervorgegangen sind, sieht sie als große Bereicherung für die Arbeit im Kindergarten. „Um Bildungs- und Entwicklungsziele im Rahmen des Orientierungsplans zu erreichen, dürften Kinder nicht als passive Konsumenten betreut werden“, so Winter.
Um auch in Zeiten beschränkter Budgets nicht auf erlebnisorientierte mathematische Bildung verzichten zu müssen, hat sich die Kindergartenleiterin nach einem Sponsor für das „Zahlenland“ umgeschaut. Mit Unterstützung von Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburg, die in Stuttgart vor einigen Jahren den gleichnamigen Verein ins Leben gerufen hat, und Gerlinde Müller-Riemann, ging der „Herzenswunsch“ in Erfüllung. Gerlinde Müller-Riemann ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins, lebt mit ihrer Familie in Linsenhofen, und weiß ihren kleinen Sohn in der Ganztagesgruppe im Kindergarten „Krautgärten“ bestens betreut. Mit 1500 Euro hat der Verein „Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburg“ das Zahlenland-Projekt unterstützt. Damit sich nicht nur die Sponsorinnen, sondern auch Bürgermeister Simon Blessing, Gemeinderäte und Elternvertreter ein Bild von den „Entdeckungen im Zahlenland“ machen konnten, hatte Kindergartenleiterin Gabriele Winter den Professor aus Freiburg, der inzwischen im Ruhestand ist, zu einer Demonstration in die Frickenhäuser Betreuungseinrichtung eingeladen.
„Kinder sind neugierig, sie lassen sich begeistern und sie lieben Zahlen“, so Professor Preiß gestern, deshalb müsse man die Buben und Mädchen schon im Kindergarten fördern. Die „Entdeckungen im Entenland“ wenden sich an Kinder im Alter von zweieinhalb bis vier Jahren und das „Zahlenland“ schließt unmittelbar daran an. Die mathematische Bildung, so Preiß, schließe die Sprachförderung automatisch mit ein. Preiß ist Professor für Didaktik der Mathematik und lehrte bis zu seinem Ruhestand an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. Die grundlegenden Ideen seiner Projekte mit Zahlen sind aus seiner Beschäftigung mit der Hirnforschung hervorgegangen, die bis ins Jahr 1985 zurückreichen. Mit einer Übertragung auf den Kindergarten hat er nach seiner Pensionierung 2002 begonnen. 2003 hat er aus Korea („ein Pisa-Siegerland“) den Auftrag für eine detaillierte Ausarbeitung erhalten. Auf Wunsch des südkoreanischen Partners hat er als zusätzliches Angebot das „Entenland“ entwickelt. Die große Verbreitung und Beliebtheit seiner Projekte hat ihn veranlasst, das ganzheitliche und erlebnisorientierte Konzept für die Grundschule weiterzuentwickeln. Preiß wünscht sich eine Zusammenarbeit zwischen Kindergärten und Grundschulen auf Augenhöhe. „Das liegt in Deutschland noch im Argen.“
Wie viel Spaß sie mit dem Zahlenspiel haben, konnte man den Buben und Mädchen an den Gesichtern ablesen. „Mathematische Bildung, so Professor Preiß, fördere die Entwicklung aller Kräfte des heranwachsenden Gehirns. „Selbständigkeit, Selbstätigkeit und soziales Verhalten werden angestrebt und Aufmerksamkeit und das Gedächtnis trainiert.“ Sprechen und Zuhören, Musik und Bewegung, Gefühle und Phantasie seien dabei ständige Begleiter.
Im Haus, das die Kinder aus Stäben und Dreiecken mit Hilfe des Professors zusammenbauten, durften abschließend auch die Sponsorin Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburg und Bürgermeister Simon Blessing teilnehmen. Er sei dankbar, so Blessing, dass der Kindergarten von der Unterstützung des Vereins und vom „Hirnschmalz“ von Professor Preiß profitiere.
Zusammen mit Professor Preiß entdecken die Mädchen und Buben im Kindergarten Krautgärten in Frickenhausen das „Zahlenland“. Foto: Holzwarth