NTZ+ Logo Beuren

Beuren sagt Ja zum Standesamt in Neuffen

Wie kann ein guter Service für die Bürger bei einer immer komplizierteren Rechtslage angeboten werden? Dies treibt gerade die drei Kommunen Beuren, Kohlberg und Neuffen um. Konkret geht es um die Bündelung von Leistungen an einem Standort. Wichtig: Die Trauorte bleiben bestehen.

Trauzimmer im Beurener Rathaus. Auch wenn das Standesamt nach Neuffen ziehen sollte, hier kann weiter geheiratet werden. Foto: Holzwarth

BEUREN. Wie oft muss eigentlich der Normalbürger im Laufe seines Lebens beim Standesamt vorstellig werden? Iris Strauß von der Firma Imaka (Institut für Management GmbH) kennt die Antwort: „Im Durchschnitt sind es ein bis zwei Mal.“ Die Projektleiterin war am Montag im Beurener Gemeinderat zu Gast, um den Lokalpolitikern zu erklären, welche Vorteile eine interkommunale Zusammenarbeit in den Bereichen Standesamt und Rentenversicherung bietet.

Mit im Boot sind außer Beuren die Nachbarkommunen Neuffen und Kohlberg. Die zwei Gemeinden und die Stadt sind seit 1975 in einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen. „Es ist auf dem Markt schwierig, für die Bereiche Standesamt und Rentenversicherung kompetente Mitarbeiter zu finden“, sagte Bürgermeister Daniel Gluiber in der Sitzung. Iris Strauß wies auf die besondere Rolle der Standesbeamten hin, die als sogenannte Urkundsbeamte weisungsfrei sind. Eine Vertretung zu finden, habe in den drei Kommunen zwar immer funktioniert, es sei aber schwieriger geworden.

Was sind nun konkret die Pläne? Wenn alle drei Kommunen zustimmen, wird es künftig nur noch ein Standesamt geben und zwar in Neuffen. Kombiniert wird das Ganze mit der Rentenversicherung. Als künftiger Standort kämen dafür Räume im ehemaligen Notariat in Neuffen in Frage, sagte Strauß. Das Imaka-Konzept geht von 1,5 bis 1,75 Stellen am gemeinsamen neuen Standort aus und rät zu einer Besetzung mit drei Personen, damit auch eine Vertretung gewährleistet ist. Damit ist laut Konzept auch eine Stelleneinsparung verbunden. In Zahlen bedeutet dies, dass alle drei Kommunen jährlich 10 000 Euro weniger ausgeben. Losgehen soll es frühestens am 1. Januar 2023.

Auf seinen Wunsch-Trauort muss aber niemand verzichten. Die Bürgermeister und andere berechtigte Kommunalmitarbeiter können weiterhin Trauungen vor Ort in den Rathäusern anbieten. Oder eben auch im Freilichtmuseum Beuren, im Nürtinger Zimmer auf der Burg Hohenneuffen oder in der historischen Kelter in Kohlberg. Iris Strauß erhofft sich durch die Bündelung sogar, dass die Attraktivität von Hochzeiten im Neuffener Tal gesteigert wird. Weitere Trauorte, beispielsweise auch am Jusi im Freien, könnten folgen. Zugleich sollen, so jedenfalls steht es im Konzept, auch verbindlich Samstag-Termine für Eheschließungen angeboten werden. Bislang war das nur im Einzelfall möglich – und nur, wenn sich dafür ein Standesbeamter fand.

Strauß wies darauf hin, dass es für die Interkommunale Zusammenarbeit „eine Partnerschaft auf Augenhöhe“ brauche. Es sei künftig aber wenig sinnvoll, Außensprechstunden anzubieten: „Da kommen dann zu wenig Bürger.“

Die Gemeinderäte sahen durchaus den Nutzen des neuen Modells. Cornelia Jathe (CDU) sagte: „Das ist sinnvoll, auch wenn es eine Umstellung für die Mitarbeiter ist.“ Einige davon saßen an diesem Abend auf den Zuhörerstühlen. Bürgermeister Gluiber erklärte, dass es durchaus eine Verunsicherung gebe, aber die Neuordnung nicht mit Entlassungen verbunden sei. Für Roland Krohmer (Freie Wähler) geht das Konzept zwar „vom Grundsatz in Richtung Zukunft“. Zugleich mahnte er an, noch Fragen genauer zu klären. Für ihn gehe der frühe Zeitpunkt gar nicht. Auch die Tatsache, dass viele Akten nicht gleich mit umziehen sollen, sah er kritisch: „Ein Standesamt ohne Akten kann nicht funktionieren.“ Dass der Umzug der Akten richtig viel Arbeit sei, machte Projektleiterin Iris Strauß deutlich. Tobias Merkle (Freie Wähler) hielt es für das falsche Signal, die Kooperation zu blockieren, riet aber auch zu einem stetigen Informationsfluss.

Am Ende fiel das Ergebnis einstimmig aus. Auch wenn vieles auf die Variante Neuffen hindeutet, entschieden ist noch nichts. Am 19. Mai ist der Gemeinderat Kohlberg und am 31. Mai ist Neuffen dran. Erst dann ist klar, wohin die Reise geht.

Zur Startseite