Nürtingen
Vermisste Teenager aus Nürtingen: Polizei warnt vor privater Internet-Suche
Immer wieder kursieren Vermisstenaufrufe in den sozialen Medien. Aktuell wird im Internet nach zwei Jugendlichen aus der Region gesucht. Doch private Suchaufrufe sind nicht immer hilfreich.
NÜRTINGEN. Erneut wird nach zwei jungen Menschen aus dem Raum Nürtingen gesucht. Diego (16) und seine Freundin Neele (15) gelten laut Meldungen auf Facebook und Instagram als vermisst. In den sozialen Netzwerken wird auch ein Foto der beiden verbreitet. Zuletzt sollen sie in der Umgebung von Unterensingen beziehungsweise Nürtingen gesehen worden sein. Die Polizei Reutlingen bestätigte am Montag, dass eine Vermisstenmeldung vorliegt.
Auch am Dienstagmittag waren die Jugendlichen noch nicht wieder aufgetaucht, wie die Polizei auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. Eine Öffentlichkeitsfahndung wurde bislang jedoch nicht eingeleitet. „Wir nehmen jede Vermisstenmeldung ernst, aber eine Öffentlichkeitsfahndung ist eines der letzten Mittel, zu denen die Polizei greift“, erklärt Polizeisprecherin Tina Rempfer. Jeder Fall werde einzeln geprüft und bewertet. Dabei spielten verschiedene Faktoren eine Rolle, etwa das Alter der Vermissten, mögliche Hinweise auf eine hilflose Lage oder Anzeichen dafür, dass sich die Betroffenen selbst gefährden könnten.
Derweil läuft die Suche im Internet auf Hochtouren. Angehörige hatten über soziale Netzwerke um Hilfe gebeten. „Mein Neffe und seine Freundin werden seit zwei Tagen vermisst“, heißt es in dem Beitrag, der seit Montag vielfach geteilt wurde – unter anderem auch von der Feuerwehr Unterensingen. Kurze Zeit später tauchte bereits ein erster mutmaßlicher Hinweis auf den Aufenthaltsort auf: Angeblich soll sich einer der Teenager in Innsbruck befinden.
Auch im November gab es einen privaten Suchaufruf
Es ist bereits der zweite private Suchaufruf aus der Region innerhalb kurzer Zeit, der im Internet für große Aufmerksamkeit sorgt. Mitte November hatten Angehörige über das Netz nach einer zwölfjährigen Jugendlichen aus dem Raum Nürtingen gesucht. Das Mädchen tauchte kurze Zeit später unversehrt wieder auf. Auch in diesem Fall hatte die Polizei auf eine Öffentlichkeitsfahndung verzichtet.
Dass Familienmitglieder oder Verwandte in solchen Situationen auf eigene Faust nach Vermissten suchen, sei grundsätzlich verständlich, betont Rempfer. Dennoch mahnt sie zur Vorsicht bei Suchaufrufen im Internet – ebenso beim Teilen entsprechender Beiträge. „Nicht immer ist erkennbar, von wem ein solcher Aufruf stammt“, warnt die Polizeisprecherin. Immer wieder handele es sich auch um Falschmeldungen. So kursierte im September dieses Jahres eine Meldung über einen angeblich vermissten zehnjährigen Jungen aus Nürtingen, die sich später als falsch herausstellte.
Auch vermisste Personen haben Persönlichkeitsrechte
Zudem weist Rempfer auf die Persönlichkeitsrechte vermisster Personen hin. „Das Internet vergisst nicht.“ Selbst nachdem eine Person wieder aufgetaucht ist, könnten entsprechende Suchaufrufe noch über Jahre hinweg auffindbar bleiben. Gerade für junge Menschen könne das gravierende Folgen haben und später sogar bei der Jobsuche problematisch werden – insbesondere dann, wenn Fotos veröffentlicht wurden.
Kommt die Polizei zu dem Schluss, dass eine öffentliche Suche angemessen ist, nutzt sie selbst gezielt das Internet, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Vermisstenmeldungen, die direkt von der Polizei stammen, können jedoch bedenkenlos geteilt werden. Taucht eine Person wieder auf, stellt die Polizei sicher, dass der entsprechende Fahndungsaufruf, zumindest von der Internetseite der Polizei, vollständig entfernt wird.