Frickenhausen
So lief der Aktionstag zum Katastrophenschutz an der GMS Frickenhausen
Die Sechstklässler der Gemeinschaftsschule erhielten einen Tag lang Einblicke in den Katastrophenschutz und durften selbst vieles ausprobieren.
FRICKENHAUSEN. Marco kniet sich neben seinen Klassenkameraden und überprüft zunächst, ob dieser noch ansprechbar ist. Rejan reagiert nicht, atmet aber noch. Jetzt kann der Sechstklässler das zuvor theoretisch erlangte Wissen anwenden. Zuerst streckt er die Beine des Betroffenen, winkelt den nahen Arm an und legt ihn nach oben. Anschließend greift er den zweiten Arm am Handgelenk und kreuzt ihn vor der Brust. Bevor er seinen Freund schließlich zu sich herüberziehen kann, muss er noch den Oberschenkel greifen und das Bein des Betroffenen beugen. Geschafft! Und schon geht es weiter zur nächsten Station. Diese Übung haben die beiden erfolgreich gemeistert.
Thema Hochwasser im Fokus
Seit diesem Jahr ist die Organisation eines Aktionstages zum Katastrophenschutz an Schulen für alle sechsten Klassen verpflichtend. Das Kultusministerium will mit der ganzheitlichen Herangehensweise die Schüler gut auf den Ernstfall vorbereiten und ihnen Sicherheit im Katastrophenfall vermitteln. Dafür hat das ZSL (Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung in Baden-Württemberg) einen Plan entwickelt, der über die verschiedenen Klassenstufen hinweg Inhalte vermittelt und die Schülerinnen und Schüler schrittweise an das Thema heranführt.
Für die Schulen selbst bedeutet das einen Mehraufwand, den die Lehrer jedoch gerne auf sich nehmen: „Ich halte den Aktionstag für sehr sinnvoll. Themen wie Hochwasser, Unwetter aber auch der Ukraine-Krieg sind topaktuell, auch bei den Kindern. Es kommen viele Fragen dazu“, sagt Katja Kussmann, Klassenlehrerin und Mitverantwortliche für den Aktionstag an der Gemeinschaftsschule Frickenhausen. Bei der Umsetzung hatte die Schule viel Freiraum, inhaltlich sollten die zur Schau gestellten Inhalte jedoch zu den örtlichen Begebenheiten passen. „Frickenhausen ist nicht gerade ein Erdbebengebiet, dafür beschäftigt uns das Thema Hochwasser immer öfter“, erklärt Kussmann. Bereits Anfang des Jahres hatte sich die Schule mit den örtlichen Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr, des DRK und des THW kurzgeschlossen und erste Überlegungen zur Umsetzung und den vorhandenen Rahmenbedingungen ausgetauscht. Bei zwei weiteren Treffen wurden die Pläne konkretisiert und ein Programm für den Aktionstag erarbeitet.
Was ist überhaupt eine Katastrophe?
Auf dem Schulhof und im Schulgebäude wurden insgesamt vier Stationen aufgebaut, die von den Freiwilligen und Lehrkräften betreut werden. Gemeinsam mit einer Lehrkraft laufen die Schülergruppen alle Stationen ab und haben dabei jeweils 30 Minuten Zeit, sich mit den vorgestellten Inhalten zu befassen und die auf der Internetseite des ZSL zur Verfügung gestellten Arbeitsmaterialien zu bearbeiten. Dabei wird unter anderem erklärt, was eine Katastrophe überhaupt ist. Lion hat schon im Voraus eine ziemlich genaue Vorstellung davon: „Naturkatastrophen, Erdbeben, Hochwasser und Unwetter.“ Auch andere Kinder wissen bereits, dass Ruhe der Schlüssel zum Erfolg in schwierigen Situationen ist. „Man muss Ruhe bewahren und abwarten bis die Feuerwehr kommt. Wenn man in Panik verfällt, will man nur flüchten und kann keine guten Entscheidungen mehr treffen“, sagt ein Schüler.
Versorgung kleiner Notfälle
Außer einem Einblick in das Einsatzfahrzeug des DRK dürfen die Schüler selbst Hand anlegen, die stabile Seitenlage üben und sich gegenseitig Druckverbände anlegen. Die Schule bietet zwar eine Erste-Hilfe-AG an, die meisten Kinder haben zuvor jedoch noch nie selbst einen Verband angelegt. Umso größer ist das Interesse an der mitgebrachten Ausrüstung, die außer Verbandsmaterial, Infusion und Defibrillator auch ein Notstromaggregat, ein Zelt und sogar Beleuchtung und Flutlicht umfasst.
Eifrig und voller Elan befüllen die Sechstklässler, unter den prüfenden Augen der Freiwilligen Feuerwehr, Sandsäcke und schleppen diese anschließend über den Schulhof. Der Aktionstag bietet den Kindern die Möglichkeit, sich auszuprobieren, etwas Praktisches zu lernen und sich in einem anderen Umfeld auszuleben. Dabei wird deutlich, dass auch kleine Helfer Großes bewirken können. „Bei Unwettern sind wir auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen“, erklärt Karl Stiefel, Leiter für Brandschutzerziehung und Aufklärung der Freiwilligen Feuerwehr Frickenhausen. Er ergänzt: „Im Notfall benötigen wir mehrere Tausend Sandsäcke, da ist uns jede Hilfe recht.“ Jugendwart Max Weber zeigt den Kindern das Feuerwehrauto, erklärt, wann sie die verschiedenen Schläuche nutzen und wie die Schmutzwasserpumpen funktionieren.
Selbstschutz ist besonders wichtig
Dirk Unkelbach vom THW OV Kirchheim/Teck erklärt den Schülern in seinem Vortrag über das THW, dass sie als Helfer nur etwas bewirken können, wenn sie auf ihre eigene Sicherheit achten: „Passt immer als allererstes auf euch auf.“ Feuerwehr und Rettungsdienst würden die meisten kennen, aber die Arbeit des THWs sei mindestens genauso wichtig. Er erzählt den interessierten Zuhörern, dass die Hilfsorganisation unter anderem als Unterstützung für andere Rettungskräfte dient, aber auch Hilfsgütertransporte übernimmt und sogar bei der EM Hintergrundarbeit leistet.
Oskar findet vor allem die Arbeit des THW spannend. Nach dem Aktionstag fühlt sich der Sechstklässler besser auf Katastrophen vorbereitet. „Wir haben heute gelernt, wie man sich am besten vor Katastrophen schützt“, geben auch Melina und Julia an. Katja Kussmanns Vision „Berührungsängste mit Katastrophen zu bekämpfen“ ist demnach geglückt und der erste Aktionstag zum Katastrophenschutz war erfolgreich.
Nürtingen | 05.07.2024 - 12:00
Was ist los am Wochenende in Nürtingen und Umgebung?
Das erste Wochenende des neuen Monats beginnt mit einem echten Viertelfinal-Kracher bei der EM. Was es davor und danach zu erleben gibt, verraten unsere Veranstaltungs-Highlights für den 5. bis 7. Juli. Hier geht’s zur Auswahl.