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Rücken auf „Gleis 13“ schon 2006 die Bagger an?

Der Entwurf der Nürtinger Architektenwerkgemeinschaft Weinbrenner und Single für das Güterbahnhofs-Areal zeichnet sich durch die aufgelockerte Bauweise aus.

Stuttgarter Immobilienbüro stellte im Gemeinderat erste Entwürfe für die Bebauung des Nürtinger Güterbahnhof-Areals vor

NÜRTINGEN. Das Stuttgarter Immobilienbüro Dr. Lübke und die beteiligten Partner wollen bei der Bebauung des Güterbahnhof-Areals ganz offensichtlich aufs Tempo drücken. Mitte März wurde der Ideenwettbewerb entschieden, aus dem die Nürtinger Architektenwerkgemeinschaft Weinbrenner und Single als Sieger hervorging. Am Dienstag wurde das Ergebnis im Gemeinderat vorgestellt. Auf den rund 8000 Quadratmetern Fläche entlang der Oberboihinger Straße sollen mehrere zusammenhängende Gebäude entstehen. Geplant ist ein flexibles Nutzungskonzept, das eine gemeinsame Tiefgarage, Handelsflächen und ein Drive-in-Restaurant im Erdgeschoss und in den drei oberen Geschossen Büros und Studentenwohnungen umfassen könnte.

Mitte Dezember 2004 war im Nürtinger Gemeinderat erstmals von diesem Vorhaben die Rede. Baudezernent Hajek informierte das Gremium damals über die Absicht der Initiatorengemeinschaft Plan Kompakt und Dr. Lübke GmbH, auf dem ehemaligen Güterbahnhof einen Gebäudekomplex zu errichten. Das Stuttgarter Immobilienbüro hat vom bahneigenen Immobilienunternehmen Aurelis die Option erhalten, das Gelände zu vermarkten. Jürgen Treiber, Regionalleiter der Dr. Lübke GmbH, geht davon aus, dass die Verkaufsverhandlungen mit der Bahn bis im Juni in einem Kaufvertrag konkretisiert werden können.

Am Dienstag stellte Jürgen Treiber eine von seinem Unternehmen in Auftrag gegebene Markt- und Standortanalyse vor. Positiv vermerkt wird darin die gute Entwicklung der Stadt, die gute Lage am Markt, Schulen und Hochschulen als weicher Standortfaktor und eine überdurchschnittliche Kaufkraft, die allerdings nicht in Nürtingen bleibt, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil nach Kirchheim, Metzingen und Stuttgart abfließt. Als Plus für Nürtingen spricht die gute Verkehrsanbindung, das stabile Bevölkerungswachstum und die allgemeine wirtschaftliche Situation. Die leer stehenden Geschäfte im Zentrum werden in der Analyse nicht als Hindernis für die Ansiedlung weiterer Geschäftsflächen gesehen, weil die Innenstadt-Läden in ihrer Kleinteiligkeit nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprächen. Insgesamt beurteilen die Projektentwickler die Situation am Bahnhof sehr positiv. Man könnte sich auch vorstellen, wie Diplom-Betriebswirt Jürgen Treiber andeutete, dass sich die Dr. Lübke GmbH bei Interesse auch der Entwicklung des Heim-Areals widmen könnte, um damit neben dem Güterbahnhofsgelände einen so genannten „zweiten Anker“ in Nürtingen zu schaffen. Zwei Pole, die durch Fußgängerbeziehungen miteinander verbunden werden könnten und von denen auch die Innenstadt profitieren könnte.

Vier Architekturbüros waren zum Ideenwettbewerb für den Güterbahnhofsbereich „Gleis 13“ eingeladen. Als klarer Sieger ging die Architektenwerkgemeinschaft Nürtingen hervor. Armin Günster, Professor an der Hochschule für Technik in Karlsruhe und Jury-Vorsitzender, stellte am Dienstag alle Entwürfe vor. Der Siegerentwurf der Nürtinger Architekten Weinbrenner und Single zeichnet sich durch seinen flexiblen Baukörper aus. Die Gebäude sind durch Grünzonen aufgelockert und zur Oberboihinger Straße hin durch eine Art Bahnhofs-Boulevard getrennt. Im vorderen Bereich zur Straße hin könnten die Dienstleistungszonen und im rückwärtigen Bereich zu den Gleisen hin Studentenwohnungen entstehen. Weiter nördlich zur Bismarckstraße ist an die Ansiedlung eines Drive-in-Schnellrestaurants gedacht.

Um mögliche Verkehrsprobleme in Griff zu bekommen, wurden bereits Verkehrsplaner konsultiert, so Jörg A. Fink, Geschäftsführer der beteiligten AIP Consulting GmbH.

Denkbarer Zeithorizont aus Sicht der Projektentwickler: 2006, so Jürgen Treiber, könnte mit der Umsetzung begonnen und das Projekt Ende 2007 eröffnet werden.

Die Nürtinger Gemeinderäte, das war aus den Wortmeldungen herauszuhören, sehen dem Vorhaben mit gemischten Gefühlen entgegen. „Wir sehen im Projekt Chancen und Gefahren“, brachte Achim Maier von den Jungen Bürgern auf den Punkt, was andere ebenso beurteilen. „Schadet das Projekt dem Nürtinger Handel?“, fragte Dr. Bauer (Freie Wähler).

Helmut Nauendorf, Dr. Hans Wolfgang Wetzel und Dr. Franziska Schaal (SPD) haben ebenfalls Bedenken, dass eine Schwächung der Innenstadt eintreten könnte. Zweifel gibt es auch, ob es gelingt, Fußgängerverbindungen zum Zentrum zu schaffen, die von den Kunden auch angenommen werden. Auch Reinhold Rauscher (CDU) ist skeptisch, ob es gelingt, die angedeutete Kundenbeziehung zwischen dem Heim-Areal, das bekanntlich die Stadt erworben hat, und dem Güterbahnhofgelände herzustellen. Rauscher wollte zudem wissen, welche Kosten durch die Erschließung auf die Stadt zukommen. Er bat die Stadtverwaltung, dies in einer Sitzungsvorlage darzulegen.

Dieter Braunmüller (Nürtinger Liste/Grüne) befürchtet, dass am Güterbahnhof eine autarke Insellösung entstehen und die Innenstadt darunter eher leiden als profitieren könnte. Braunmüller warf auch die Frage auf, wo die entfallenen Park-und-Ride-Plätze untergebracht werden sollen. Sorgen macht Peter Rauscher der von Jürgen Treiber genannte Zehn-Jahres-Horizont für Investoren. Das Güterbahnhofareal sei städtebaulich sehr wichtig und man wolle nicht, dass dort in zehn bis 15 Jahren ein zweites Europahaus stehe. Die Frage von Thomas Hauptmann, ob es schon Interessenten gebe, wollte Jürgen Treiber noch nicht beantworten.

Die Konzeption sei es wert, so Oberbürgermeister Heirich, im Gemeinderat weiterbehandelt zu werden. Eine Diskussion über Details hielt Heirich im jetzigen Stadium allerdings für verfrüht. Alles, was komme, so der Oberbürgermeister, müsse allerdings das Ziel haben, die Innenstadt zu stärken. Die parallele Entwicklung des Heim-Areals und des Güterbahnhof-Geländes sieht der Oberbürgermeister nicht als Widerspruch: „Das kann sich positiv entwickeln.“

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