Nürtingen
Platz für obdachlose Menschen in Nürtingen dringend gesucht
Die Nürtinger Gebäudewirtschaft wünscht sich mehr Geld und Personal, um ihren Aufgaben nachkommen zu können
Demnächst berät der Nürtinger Gemeinderat wieder darüber, wofür in den kommenden Jahren Geld ausgegeben werden soll. Einen großen Anteil machen dabei Bau und Unterhalt von Immobilien aus. Am Dienstag legte Geschäftsführer Eckart Krüger einige Zahlen für die Nürtinger Gebäudewirtschaft vor.
NÜRTINGEN. Die KGSt – Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement – hatte sich die Strukturen der Nürtinger Gebäudewirtschaft einmal angesehen. Gleichzeitig hatte die GWN ihre eigenen Vorhaben und Ressourcen auf den Prüfstand gestellt. Das gesamte Zahlenwerk liegt noch nicht vor, einen ersten Vorgeschmack gab Krüger dem Betriebsausschuss der Gebäudewirtschaft mit einer Präsentation.
Es gebe viele Vorhaben, die nicht umgesetzt werden können, weil die Mittel und das Personal dazu fehlten. Nur die Hälfte der benötigten 13 Millionen Euro standen im laufenden Jahr zur Verfügung. So werde manches auf die lange Bank geschoben. Für das Jahr 2020 sind das die Generalsanierung der Realschulen, der Umbau des Hauses Metzinger Straße 37 (Äußeres Werkhaus) und der komplette Wohnungsbau, die von der Liste gestrichen werde.
Außer einem Projekt, nämlich der neu dazugekommenen Obdachlosenunterkunft in der Max-Eyth-Straße, für die bis 31. Dezember das Gesuch eingereicht werden muss, damit das Vorhaben noch im Rahmen einer zeitlich befristeten Ausnahmeregelung genehmigt werden kann. Die geschätzten Kosten liegen bei drei Millionen Euro.
Ebenfalls dringlich ist die Sanierung der Theodor-Eisenlohr-Schule, wo bei einer Brandverhütungsschau wegen des offenen Treppenhauses bei Rauch und Feuer Gefahr für Leib und Leben festgestellt wurde. Die Schule dürfe nur weiter genutzt werden, wenn der Brandschutz in den nächsten drei Jahren nachgerüstet wird.
Erst ab 2024 werden noch ausstehende Infrastrukturprojekte wie die Realschulen, das MPG, weitere Kindergärten oder Hallen in Angriff genommen, so Krüger.
Für die Zukunft wünscht sich Krüger, dass die Vorhaben realistischer und verbindlicher geplant und finanziert werden. Es fehle dazu auch an Personal für alle Aufgaben der GWN, vom Bauprojektmanagement bis zur Leitung für Hausmeister und Reinigungskräfte. Die Rede ist von zehn bis 15 Stellen. Die seien nötig, um den Bestand zu erhalten und die dringend benötigten Wohnungen zeitnah zu bauen.
Bürgermeisterin Annette Bürkner betonte dem Ausschuss gegenüber, wie notwendig der Bau von Unterkünften ist. Die Stadt sei derzeit verpflichtet, ungefähr 100 Menschen unterzubringen. Am nun ins Auge gefassten Standort in der Verlängerung der Max-Eyth-Straße sei zweckgebunden nur Obdachlosenunterbringung möglich, entsprechend wurde auch geplant: zwei L-förmige Baukörper um einen Innenhof, Mini-Apartments mit Nasszelle und Kochgelegenheit, abgestimmt auf die Bedürfnisse der künftigen Bewohner, die oft für sich sein wollen. Krüger hat auch ein Büro für Sozialarbeit eingeplant.
Andere, schon länger geplante städtische Wohnbauvorhaben hängen laut Krüger noch. Gegen die Bebauung am Breiten Weg sei eine Petition eingereicht worden, das Gebäude am Marbachweg musste neu ausgeschrieben werden, da die erste Ausschreibung den Kostenrahmen sprengte. Das seien jedoch keine Obdachlosenunterkünfte, sondern Häuser, die auch normal vermietet werden können.
Normal vermietet werden könnten auch die denkmalgeschützten Häuser gegenüber der Krone in Oberensingen, für die nun eine Untersuchung vorliegt. Ein möglicher Investor müsste sich auf Kosten von mehr als zwei Millionen Euro einstellen, um die Häuser zum Wohnraum für etwa 14 Personen zu machen.
Weitere Vorhaben, die jedoch nur kurz angesprochen wurden, sind die Erweiterung des Kindergartens Rieth um zwei Gruppen und ein Verbindungsbau zwischen Friedrich-Glück-Schule und dem Kindergarten Denkendorfer Weg.