Nürtingen
Kommentar Schutzhaus in Nürtingen: Die Hilfe darf nicht infrage gestellt werden
Soll das Projekt gelingen, braucht es eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und vor allem in der Nachbarschaft, meint Redakteurin Anke Kirsammer. Lesen Sie auch den Artikel „Frauen- und Kinderschutzhaus soll im Herzen Nürtingens Zuflucht bieten“.
NÜRTINGEN. Das Elisabeth-Selbert-Haus stößt auf großes Interesse, aber auch auf viel Erklärungsbedarf. Das zeigen der gute Besuch der Veranstaltung und die Beiträge in der Fragerunde. Äußerst bedauerlich ist, dass durch mangelnde Kommunikation, lange bevor die ersten Schutz suchenden Frauen und Kinder in das Haus in Nürtingens Innenstadt einziehen, viel Porzellan zerdeppert worden ist. Die Informationsveranstaltung hätte nicht Wochen nach dem Baustart stattfinden dürfen, sondern bevor die ersten Baumaschinen den Boden zum Vibrieren bringen. Dann hätten die Anwohner Fragen stellen können und Zeit gehabt, sich auf den Baulärm einzustellen. Was eigentlich vor jeder Baustelle zum guten Ton gehört, wäre bei dem äußerst sensiblen Thema erst recht notwendig gewesen. Sowohl Nathalie Schönfeld als auch Patrick Eberhard haben die Panne eingeräumt.
Wie sensibel das Thema Frauenhaus ist, wurde ebenfalls offenkundig. Dabei scheint die Sorge um die eigene Sicherheit teils die Sorge um die Sicherheit der Opfer zu übersteigen. Auch hier braucht es eine gute Kommunikation. Die Idee, die Anwohner einzuladen und mit ihnen ins Gespräch zu gehen, ist sinnvoll. Sollen die Frauen und Kinder, die Gewalt erlebt haben, in Nürtingen ankommen, reicht nicht alleine eine baulich ausgetüftelte Zuflucht samt Fachleuten im Herzen der Stadt. Dazu benötigt es Menschen, die ihnen zeigen, dass die Betroffenen willkommen sind.
Wenn es noch Argumente brauchte, um Kritiker verstummen zu lassen, sind es die erschreckenden Zahlen, wonach jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens, bei Frauen mit Behinderung sogar jede zweite, Gewalt erleidet. Dass Gewalt an Frauen auch in Nürtingen Alltag ist, machte die Wortmeldung von Annett Falk deutlich, die Woche für Woche mehrfach gerufen wird. Auch das aus dem Dunkel ans Licht zu bringen, Hilfsangebote zu machen und die Nachbarn dafür zu sensibilisieren, dass sie Hilfe holen, ist offenkundig eine große Aufgabe, vor der niemand die Augen verschließen sollte.
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