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Jugendreferat von starken Geburtswehen begleitet

Bei Jugendhausleiter Felder-von Hahn sollen künftig die Fäden für die Kinder- und Jugendarbeit in Nürtingen zusammenlaufen

NÜRTINGEN. Das Gesicht ist altbekannt, der Posten, den Stefan Felder-von Hahn bekleidet, ist neu: Der Leiter des Jugendhauses am Bahnhof ist der erste Kinder- und Jugendreferent der Stadt Nürtingen. In der Sitzung des Kultur- und Schulausschusses des Nürtinger Gemeinderats am Dienstagabend wurde Felder-von Hahn erstmals in dieser Funktion vorgestellt.

Die Einrichtung eines Kinder- und Jugendreferats hatte der Ausschuss offenbar nur zur Kenntnis zu nehmen, einen Beschluss brauchte es nach Auffassung des zuständigen Bürgermeisters Rolf Siebert für diese Weichenstellung in der Jugendpolitik der Stadt nicht, da keine zusätzlichen Kosten abzusegnen seien. „Es handelt sich um den Einsatz vorhandenen Personals“, so Siebert. So wurde der Vorgang unter der Rubrik „laufende Geschäfte der Verwaltung“ abgewickelt.

Recht unspektakulär, wenn man bedenkt, dass lange an der Konstruktion gebastelt wurde. Ressourcen bündeln und Doppelstrukturen im Sinne einer effizienten Jugendarbeit zu vermeiden, hatte die Vorgabe von Oberbürgermeister Otmar Heirich vor gut einem Jahr gelautet. Felder-von Hahn präsentierte nun dem Ausschuss die Überlegungen dazu, wobei Siebert das nur als Zwischenbericht verstanden wissen will. Nicht nur Kooperation, auch eine neue Ausrichtung der Kinder- und Jugendarbeit in Nürtingen war das erklärte Ziel. Dazu sollten kommunale Einrichtungen der Stadt, des Landkreises und von freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe näher zusammenrücken.

Das gelang allerdings nur bedingt. Was man auf den Weg gebracht hat, ist ein Personalpool aus Stellen des Jugendhauses am Bahnhof (JaB) und den sozialpädagogischen Kräften der Stadt, die in der Schulsozialarbeit und in der Jugendarbeit im Roßdorf und in der Braike eingesetzt sind. Die städtischen Stellen gehen voll zu Lasten der Stadtkasse, für das JaB-Personal teilen sich Stadt und Kreisjugendring (KJR) die kosten je zur Hälfte. Dieser achtköpfige Personalpool bildet das Kinder- und Jugendreferat mit Felder-von Hahn an der Spitze.

Doch scheint noch nicht alles in trockenen Tüchern. Thaddäus Kunzmann (CDU) und Peter Rauscher (Nürtinger Liste/Grüne) wollten wissen, wer das Sagen gegenüber dem Mitarbeiterpool habe, sei doch der Kinder- und Jugendreferent wie auch das JaB-Personal der Dienstaufsicht des Kreisjugendrings unterstellt. Oberbürgermeister Heirich dazu: „Das ist eine wesentliche Frage, die noch in der Diskussion ist.“

Im Sinne der Sache, so Siebert, habe man trotz der komplizierten juristischen Grundlage nun einmal angefangen. Mit der Neuausrichtung, so Felder-von Hahn, orientiere man sich hin zu Sozial- und Lebensräumen von Kindern und Jugendlichen, wozu wesentlich die Schule und ihr Umfeld gehöre. Die Kooperation mit Schulen pflege das Jugendhaus seit längerem, nun könnten offene Jugendarbeit und Schulsozialarbeit besser koordiniert werden. So soll laut Siebert das Jugendreferat auch eine wesentliche Rolle beim Einsatz von Ehrenamtlichen spielen, die im Rahmen eines Modellprojekts des Landes als Jugendbegleiter das Betreuungsangebot an Schulen erweitern sollen.

Im Grunde positiv äußerten sich Kunzmann sowie Annemarie Hammelehle (FDP) und Dr. Andreas Brodbeck (Freie Wähler) zum eingeschlagenen Weg. Mehr erwartet hatten sich dagegen Thomas Kreß (SPD) und Peter Rauscher. Der Stadtrat der Nürtinger Liste: „Nun gibt es einen weiteren Jugendreferent neben den vielen aus Vereinen und Verbänden, die nicht im Boot sind“. Dass die Stadt einiges zur Finanzierung von Jugendarbeit aufbringe, sei gut, für weniger gut hält Rauscher es, dass die Dienst- und Fachaufsicht bei einem einzigen Träger, dem KJR liege. Ziel müsse sein, weitere starke Organisationen für das Jugendreferat zu gewinnen. Dem stimmte Kreß zu: „Wir hätten uns eine große Lösung gewünscht, etwa in der Trägerschaft eines Vereins, an dem Stadt, KJR und freie Träger gleichermaßen beteiligt sind.“

Dass es Überlegungen dazu gab, bestätigte Pit Lohse, der als Vertreter des Arbeitskreises Präventive Kinder- und Jugendarbeit in die Sitzung eingeladen war. Der AK Präventive mit zirka 40 Mitgliedsorganisationen, darunter auch Beratungseinrichtungen des Landkreises, hatte an dem Leitbild für die Jugendarbeit in der Stadt und für die Konzeption des Jugendreferats mitgearbeitet. Nachdem die Stadt und der KJR einen eigenen Weg gegangen seien, wolle man mit dem Stadtjugendring nun einen neuen Verein gründen, um institutionellen Rahmen als zweites Standbein der Jugendarbeit zu wirken.

Ein Blick auf die angestrebte Vereinsstruktur zeigt, dass die Tür für eine Zusammenarbeit nicht zugeschlagen ist, im Vorstand soll die Stadt mit dem Oberbürgermeister und dem Leiter des Jugendreferats vertreten sein. Darüber, so Siebert, wird der Gemeinderat noch befinden müssen.

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