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Erdrutsch in Zizishausen

Unterhalb einer Baustelle im Nürtinger Ortsteil geriet der Hang ins Rutschen – 14 Wohnhäuser evakuiert

Helfer des THW brachten Messpunkte an der abgerutschten Terrasse an. Fotos: Jüptner (1), Holzwarth (1), Krichenbauer (2)
Die Nachbarhäuser wurden evakuiert.
Die Panoramastraße am frühen Nachmittag: Die Aufräumarbeiten haben begonnen.
Oberbürgermeister Otmar Heirich und Ordnungsamtsleiterin Angela Pixa auf dem Weg zum Unglücksort

Mitten in der Nacht geriet der Hang ins Rutschen: Die starken Regenfälle der vergangenen Tage haben jetzt in Zizishausen ihre Spuren hinterlassen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch rutschte auf einer Baustelle oberhalb der Panoramastraße eine im Bau befindliche Terrasse ab und teilweise auf die Straße. Aus Sicherheitsgründen wurden 14 Häuser evakuiert. Verletzt wurde niemand.

NT-ZIZISHAUSEN. Kurz vor 1.30 Uhr alarmierte eine Bewohnerin der Panoramastraße die Polizei, dass sich auf dem Nachbargrundstück Steine vom Hang lösen würden. Als kurze Zeit später erste Kräfte der Polizei vor Ort eintrafen, hatten sich auf dem Neubaugrundstück unterhalb des Rohbaus mehrere größere Steine und Erdreich gelöst und waren mehrere Meter abgerutscht. Bäume und Steine rutschten bis auf die Panoramastraße. Noch während die Polizei die Stelle absperrte, lösten sich weitere Steine und Geröll.

Daraufhin wurden sieben Wohngebäude im unmittelbaren Gefahrenbereich der Panorama- sowie Aichstraße sofort evakuiert und die 14 Bewohner bei Bekannten oder in dem als Notunterkunft eingerichteten Feuerwehrmagazin von Zizishausen untergebracht.

Im Laufe des Morgens mussten weitere sieben Häuser der beiden Straßen evakuiert werden. 35 Bewohner sind von der Evakuierung betroffen.

In der Nacht rückte ein Großaufgebot von Feuerwehr, Rettungskräften und Technischem Hilfswerk an den Unglücksort aus. Eine Containerfirma stellte große Kippmulden gefüllt mit Bauschutt zwischen die Häuser und den rutschenden Berg, um so einen Puffer zu schaffen.

Auch Ordnungsamtsleiterin Angela Pixa war seit den frühen Morgenstunden im Einsatz, sie wurde auch von anderen Amtsleitern des Rathauses unterstützt. Oberbürgermeister Otmar Heirich und Bürgermeisterin Claudia Grau machten sich ebenfalls selbst ein Bild von der Unglücksstelle.

„Es ist ein Glück, dass niemand zu Schaden kam“, sagte Heirich. Man werde sich am Vormittag mit den Experten zusammensetzen und das weitere Vorgehen planen.

Vor einem Neubau in der Panoramastraße hatte sich in der Nacht praktisch die komplette Terrasse gelöst und war talwärts gerutscht. Tonnenschwere Gabionen – mit Schotter gefüllte Drahtkörbe – rutschten ebenso mit ab wie ein Bagger, der sich im Laufe des Morgens immer weiter zur Seite neigte.

Ursache für den Rutsch noch unklar

Weil der Hang immer noch in Bewegung ist, wurden vom THW an wichtigen Stellen Messpunkte angebracht, um die Rutschung zu beobachten und im Gefahrenfall Alarm schlagen zu können. Doch hier machten die im Laufe des Morgens immer zahlreicher eintreffenden Schaulustigen den Helfern die Arbeit schwer, die sich beim Schauen teilweise vor die Laser-Messgeräte stellten. Deshalb ließ die Polizei auch den Feldweg oberhalb der Panoramastraße absperren. Wie es zum Erdrutsch kommen konnte, war bis zum Nachmittag noch unklar. In der Nacht hatte es keine stärkeren Regenfälle gegeben. Allerdings berichteten Anwohner, dass sich bereits nach dem Starkregen am Sonntag ein Riss entlang der Gabionen-Terrasse gebildet habe.

Doch die Ursachenforschung wird wohl noch einiges an Ermittlungszeit in Anspruch nehmen. Die Rede war auch von einem ehemaligen Steinbruch, der sich an der Stelle des jetzigen Neubaus befunden haben soll. Im Bebauungsplan für dieses Gebiet wird laut Stadt-Pressesprecher Clint Metzger außerdem auf das Vorkommen von Knollenmergel hingewiesen. Böden und insbesondere Hänge, die dieses Material enthalten, gelten als rutschgefährdet.

Am Mittwoch stand von Seiten der Stadt vor allem die Beseitigung der Gefahr für die Anwohner im Mittelpunkt der Diskussion: Zweimal traf sich deshalb der Krisenstab aus OB, Bürgermeisterin, Technischem Beigeordneten, den Amtsleitern, Vertretern der Einsatzkräfte und weiteren Experten, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Im Laufe des Tages rückte eine Spezial-Baufirma an. Die Experten machten sich daran, den abgerutschten Teil des Hangs und die Gabionen abzugraben und die Risse aufzufüllen und zu sichern. Bis zum Nachmittag war der Hang zu großen Teilen wieder gesichert.

Unterhalb der Rutschung mussten zahlreiche Bäume gefällt werden. „Sie drohten bei weiteren Rutschungen auf die benachbarten Häuser zu stürzen,“ so der Leiter des Bauverwaltungsamts Walter Haußmann.

Weil es für die Helfer zu gefährlich war, direkt unterhalb des Erdrutschs zu arbeiten, wurde ein Steiger eingesetzt und die Bäume von oben nach unten gekürzt.

Am Abend konnten die meisten Anwohner wieder in ihre Häuser zurückkehren. Der Hang rutscht zwar noch weiter, war nach Angaben der Pressestelle jedoch „unter Kontrolle“. Drei Gebäude direkt unterhalb der Rutschung blieben jedoch aus Sicherheitsgründen gesperrt. Davon sind neun Bewohner betroffen.

Am Hang soll jetzt weiteres Material abgetragen und Risse aufgefüllt werden. Der Fortgang der Arbeiten hängt von den Wetterbedingungen ab.

Mehr Bilder in unserer Bilderstrecke im Internet.

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