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E-Scooter im Landkreis Esslingen: Warum die Unfallzahlen deutlich steigen

E-Scooter-Unfälle haben sich 2025 mehr als verdoppelt. Besonders junge Fahrer sind betroffen. Häufige Ursachen sind Vorfahrtsfehler, mangelnde Verkehrstüchtigkeit und zu hohes Tempo. Polizei und Schulen setzen auf Prävention.

Immer häufiger sind E-Scooter auf den Straßen unterwegs. Foto: AdobeStock/InsideCreativeHouse

NÜRTINGEN. Es ist ein ganz normaler Dienstag kurz vor 13 Uhr an einem Schulzentrum in der Region. Viele Kinder fahren auf ihren Rädern die abschüssige Straße hinunter. Die meisten von ihnen tragen einen Helm. Dazwischen sind Jugendliche auf E-Scootern flott unterwegs, manche stehen zu zweit auf dem Trittbrett. Einen Helm trägt kein Einziger. Das deckt sich mit der Erfahrung, die man in den Medius-Kliniken des Landkreises Esslingen nach Unfällen von E-Scooter-Fahrern macht: „Viele waren ohne Helm unterwegs“, sagt der Sprecher Max Pradler auf Nachfrage. „Im Vergleich zu Patienten, die nach einem Fahrradunfall zu uns kommen, fällt uns auf, dass E-Scooter-Fahrer leider deutlich häufiger auf einen Kopfschutz verzichten.“ Zudem erlitten E-Scooter-Nutzer häufiger Verletzungen an Handgelenken, Ellenbogen und Knien.

Eine gesonderte Statistik zu Unfallverletzungen führen die Medius-Kliniken laut Max Pradler nicht. Die Statistik des Polizeipräsidiums Reutlingen spricht indes eine eigene Sprache: Im vergangenen Jahr ereigneten sich im Landkreis Esslingen 83 Verkehrsunfälle mit E-Scootern gegenüber 39 im Jahr 2024. 52 Nutzer wurden dabei leicht verletzt, zehn erlitten schwere Verletzungen, doppelt so viele wie noch 2024. Im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen, das die Landkreise Tübingen, Reutlingen, Esslingen und Zollernalb umfasst, starben 2025 zwei E-Scooter-Nutzer. Zwei Drittel der an Unfällen mit E-Scootern Beteiligten waren jünger als 24.

Zahlen für 2026 gibt es erst im kommenden Frühjahr

Auskünfte zu den diesjährigen Zahlen könne die Polizei nicht geben, so die Pressesprecherin des Präsidiums, Nina Frech. Die Unfallzahlen würden erst im Frühjahr 2027 veröffentlicht. Was sind die häufigsten Unfallursachen? „Top drei“ seien Vorfahrtsmissachtung, mangelnde Verkehrstüchtigkeit und nicht angepasste Geschwindigkeit. Dass in den vergangenen Jahren vermehrt Unfälle mit E-Scootern passierten, liege daran, dass mehr Menschen regelmäßig mit den motorisierten Rollern unterwegs seien. „Der E-Scooter wird als Verkehrsmittel immer beliebter“, sagt Nina Frech. „Es ist davon auszugehen, dass auch immer mehr Schülerinnen und Schüler damit zur Schule fahren. Genaue Zahlen liegen uns dazu jedoch nicht vor.“

Stürze über den Lenker durch abruptes Bremsen

Die kleineren Räder der E-Scooter seien deutlich anfälliger für Schlaglöcher, Kanten oder Hindernisse. Abruptes Bremsen führe schnell zu einem Sturz über den Lenker, erklärt Nina Frech. Weil im Stehen gefahren werde, verlagere sich der Körperschwerpunkt nach oben und vorne. Das erhöhe die Sturzgefahr zusätzlich. „Verstärkt wird das Risiko oft durch den Verzicht auf einen Helm sowie riskantes Fahrverhalten, wie etwa unter Alkoholeinfluss.“ Um Unfälle zu vermeiden, empfiehlt die Polizei generell, sich vor einer Fahrt mit einem E-Scooter gründlich mit den Regeln im Straßenverkehr und den Funktionen des Fahrzeugs vertraut zu machen.

Polizei kontrolliert E-Scooter

Im Rahmen von Kontrollen checkt die Polizei auch Fahrer von E-Scootern. „Wir stellen immer wieder Verkehrsverstöße fest“, so Nina Frech. Sie nennt beispielsweise die Nutzung von Handys, Alkohol- und Betäubungsmittelverstöße. Regelmäßig stoßen die Beamten außerdem auf E-Scooter, mit denen deutlich schneller als 20 km/h gefahren werden kann. „Für sie liegt entweder keine Betriebserlaubnis vor oder sie wurden technisch manipuliert.“ In beiden Fällen dürften E-Scooter im öffentlichen Straßenverkehr nicht benutzt werden. Sie würden deshalb beschlagnahmt und überprüft. Um Jugendliche für das Thema E-Scooter zu sensibilisieren, biete die Verkehrsprävention des Polizeipräsidiums etwa für Neuntklässler spezielle Schulungen an.

Das sind die Erfahrungen von zwei Nürtinger Schulen mit E-Scootern

Beispielhaft haben wir an zwei Nürtinger Schulen nachgefragt. Am Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen spielen E-Scooter laut Rektorin Beate Selb keine große Rolle. „Bei uns kommen viele mit dem Fahrrad in die Schule, mit E-Scootern maximal zehn Jugendliche.“ Nach Corona habe es jeweils für die Achtklässler mit der Polizei zur Prävention ein Sicherheitstraining gegeben. „Für E-Scooter-Fahrer war es gut“, sagt der stellvertretende Schulleiter Jörg Bauer. „Es war organisatorisch aber ein riesiger Aufwand und der Termin im Februar wegen des Wetters nicht optimal.“ 2025 habe das Training letztmals stattgefunden. Manche Jugendliche hätten gesagt, sie würden sich ohnehin nie einen E-Scooter kaufen und deshalb den Nutzen für sich nicht gesehen.

Zunehmend ein Thema sind die E-Scooter an der Nürtinger Neckarrealschule: „Ich hatte heute Morgen erst einen Anwohner da, weil die Schüler wohl relativ zügig unterwegs sind“, sagt Rektorin Nicole Larger. Die sogenannte „Zeitfensterwoche“ Mitte Oktober, in der Themen außerhalb des regulären Unterrichts stattfanden, habe man unter anderem dazu genutzt, die Polizei einzuladen. Dabei sei es um E-Scooter, Sicherheit und Prävention gegangen und darum, was legal ist.

Nähere Informationen zur Sicherheit auf dem E-Scooter gibt es auf www.ppreutlingen.polizei-bw.de

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