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Das sind die Helfer aus aller Welt für Nürtingen

Im Rahmen eines internationalen Jugendworkcamps sind zwölf junge Leute in der Stadt und packen bei verschiedenen Projekten für Kinder, Jugendliche und Umwelt mit an.

Die Teilnehmer des Jugendworkcamps vor ihrem Quartier in Neckarhausen. Im Hintergrund eine Trockenmauer für Eidechsen, die sie in den vergangenen Tagen gebaut haben. Foto: Barbara Gosson

NÜRTINGEN. Fast jedes Jahr kommen Jugendliche aus aller Welt nach Nürtingen und helfen bei gemeinnützigen Projekten mit. Nebenbei erleben sie Land und Leute auf authentische Art und schließen Freundschaften. Seit dem 26. Juni sind sie in der Stadt und bleiben noch bis zum 17. Juli. Organisiert wird das Jugendworkcamp vom Verein Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) aus Hannover. Betreut werden die Teilnehmenden vom Kinder- und Jugendreferat der Stadt.

In diesem Jahr sind die zwölf jungen Leute aus Mexiko, Spanien, der Türkei, Bulgarien, Taiwan und Frankreich im Albvereinsheim in Neckarhausen untergebracht. Das liegt recht weit oben am Berg, so wird das Work- zu einem Fitnesscamp, denn die Jugendlichen bekommen von der Stadt Fahrräder zur Verfügung gestellt, mit denen sie Ausflüge in die nähere Umgebung machen und ihre Einsatzstellen erreichen können.

Zur ersten Einsatzstelle war der Weg extrem kurz: Direkt vor dem Eingang zum Albvereinsheim wurde eine Trockenmauer errichtet, die Eidechsen als Heimstatt dienen soll. In der nächsten Woche sind die jungen Leute am Spielplatz Karlstraße beim Kroatenhof im Einsatz und gestalten zusammen mit der Graffiti-Künstlerin Elisa Graf eine Wand, die für alle Sprayer offen ist. Die bereits bestehende Wand am Skaterplatz bekommt ein Dächlein, um sie vor der Witterung zu schützen. Ferner werden Soldatengräber in Neckarhausen gepflegt und Insektenbehausungen gebaut.

Arbeit ist nur die eine Hälfte des Tages

Für weitere Ausflüge stehen die Fahrzeuge des Stadtjugendrings zur Verfügung. Denn die Arbeit füllt nur die eine Hälfte des Tages. Am Nachmittag gibt es Gelegenheit, die Gegend zu erkunden. Dieter Runk vom Jugendreferat macht Vorschläge, was sehenswert ist. Auf dem Programm stehen Schloss Lichtenstein und die Gustav-Jakob-Höhle, wozu die Stadt ihre fleißigen Helfer einlädt. Und am Freitag wird die Fanmeile in Stuttgart besucht.

Wir besuchen die Gruppe in Neckarhausen. Im Garten steht ein Zelt, falls jemand ein großes Ruhebedürfnis hat, aber die jungen Leute bleiben lieber im Haus. Noch etwas improvisiert ist die Dusche, aber hier finden sich noch hilfreiche Menschen vom Albverein, die die jungen Leute herzlich in ihrem Haus aufgenommen haben.

Jeden Tag ist eine andere Gruppe mit Kochen dran, so kommen jeden Tag unterschiedliche Länderküchen auf den Tisch – auch wenn die Zutatenbeschaffung manchmal etwas schwierig ist, wie die Teilnehmenden berichten. „Die Läden hier sind winzig“, findet der Leiter der Gruppe, Luis Angel Perez Garcia aus Mexiko.

Die Läden sind winzig, die Stadt ist sauber

Welchen Eindruck – außer dem Dauerregen – haben die Camp-Teilnehmer sonst von Nürtingen gewonnen? Der 26-jährige Perez Garcia hat Architektur studiert und betrachtet die Stadt aus dieser Perspektive: „Ich komme aus einer Industriestadt, da sieht es ganz anders aus. Hier ist es sehr sauber.“ Er hat sich schon ein gutes Bild von Deutschland machen können, denn es ist sein drittes Workcamp in diesem Jahr, sein viertes Mal in Deutschland. Die anderen waren auf der Nordseeinsel Wangerooge und im bayrischen Traubling. Das erste, auf dem er war, fand vor drei Jahren nahe Kassel statt. „Hier sind die Leute sehr freundlich zu uns. Als wir ankamen, hat die Dusche noch nicht richtig funktioniert, da haben mich die Nachbarn bei sich duschen lassen.“ In anderen Gegenden seien die Menschen viel reservierter. „Ich fühle mich hier sehr sicher. In der Gegend, aus der ich komme, gibt es viel Kriminalität.“ Aber drei Monate in Deutschland seien genug und Perez Garcia freut sich wieder auf zu Hause und die Familie.

Die beiden Spanierinnen Marta Pose Graña und Lucia Vásquez Montero sind gerade mit der Schule fertig. Marta studiert Pflegewesen und wollte einmal einen Freiwilligendienst ausprobieren. Ihre Freundin Lucia will Zahnärztin werden: „Die Landschaft ist so ähnlich wie bei uns, nur die Häuser sind anders“, beschreiben beide ihre Eindrücke.

Alfredo Garcia Mere aus Mexiko studiert Bauingenieurwesen. Der 21-Jährige sagt über seine Motivation: „Ich war noch nie weg aus Mexiko und wollte einmal ein anderes Land kennenlernen.“ Den Aufenthalt sieht er als Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln. Er könnte sich vorstellen, ein paar Semester in Deutschland zu studieren, die Sprache zu lernen und hiesige Techniken in Mexiko einzuführen.

Viele Teilnehmende sind „Wiederholungstäter“

Der Jüngste ist der 16-jährige Batuhan Salt aus der Türkei. „Hier ist es ganz anders, als bei uns. Dort stehen die Häuser viel enger zusammen“, schildert er. Verkehrssprache in der Gruppe ist Englisch, die wenigsten sprechen ein paar Brocken Deutsch. Deshalb nennen viele als Motivation für ihre Teilnahme, dass sie gerne ihr Englisch verbessern möchten.

Aus Bulgarien stammen die 17-jährigen Zwillinge Luchezar und Orlin Genev. Die beiden Schüler sind über ihren älteren Bruder auf die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste aufmerksam geworden. Hier gefällt den beiden, dass es viel mehr öffentliche Plätze gibt, als in Sofia.

Wei-Hsiang Ma aus Taiwan ist 21 und studiert Nachrichtentechnik. Ihm steht im kommenden Jahr eine wichtige Prüfung bevor, vor der er sich eine Auszeit nehmen möchte. In Taiwan sei die Bevölkerungsdichte höher, deshalb wird höher gebaut und überall sind mehr Menschen. Auch sei das tropische Seeklima dort ganz anders. Er und die mit ihm befreundete Hsin-Yi Rao sind das erste Mal in Europa. „Hier ist alles viel ruhiger“, sagt sie. Im vergangenen Jahr war sie mit einem ijgd-Workcamp in Nepal. Wenn die Arbeit in Nürtingen getan ist, wollen die beiden weiter nach Berlin.

Ebenfalls „Wiederholungstäterin“ ist Ingrid Joly aus Frankreich. „Es ist toll, neue Leute kennenzulernen und an sinnvollen Projekten teilzunehmen“, sagt sie. Die Kunststudentin sucht überall Inspirationen. Besonders gefallen ihr die nahen Erdbeerfelder auf dem Galgenberg. Ihre Landsfrau, die 18-jährige Melusine Pije, studiert auch Kunst, dazu Archäologie. Sie ist schon beim vierten Workcamp dabei und besucht im September ein fünftes. Die Gemeinschaft und die gemeinnützige Arbeit sind dabei ihr Antrieb.

Antia Viero Fernandez aus dem spanischen Galicien macht gerade ihren Master in Fashion Design. Die 25-Jährige reist gerne und sammelt hier ganz neue Erfahrungen. Dass sie hier viel Fahrrad fahren muss, macht ihr Spaß: „Daheim mache ich das nicht.“

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