Eugen Wahl, Nürtingen. Zum Artikel „Ein Mix aus Angst und Wut“ vom 6. August. Es ist äußerst aufschlussreich, wie sich die Akteure der türkischen Szene in Nürtingen (und anderswo) zurzeit präsentieren. Mit ihrem Verhalten liefern sie nämlich ungewohnt entlarvende Beispiele dafür, wie weit sie in ihrem Sinne den Wahrheitsbegriff „dehnen“ können, um dann umso „nachhaltiger“ gegen „Terroristen“ auf „schwarzen Listen“ vorzugehen! Dies geschieht unter dem Deckmantel einer politischen Ideologie mit religiösem Überbau. Vielleicht kommt jetzt sogar mancher bisher naiv-tolerante „Dialogpartner“ darüber ernsthaft ins Nachdenken.
Wenn in Nürtingen etwa ein türkischer Einzelhändler kein Anhänger des umstrittenen Predigers Fethullah Gülen (mehr) sein will, obwohl er jahrelang in seinem Laden zum Beispiel entsprechende Plakate für die Gülen-Bewegung ausgehängt hat, und jetzt sich aber in die „Neutralität“ zwischen den Lagern einordnet; und wenn demgegenüber sein türkischer Landsmann, der sogar in Deutschland geboren ist, sich offen zu „seinem“ Präsidenten als „wahrem Demokraten“ bekennt, dann frage ich mich, nach welchen Leitbildern sich diese Herrschaften ein auskömmliches gesellschaftliches Zusammenleben in Deutschland vorstellen!
Wie hieß es bisher immer bei den Protagonisten des „christlich-islamischen Dialoges“, sobald man es wagte, ihr Tun – mehr aber noch ihr Unterlassen! – zu hinterfragen: „Wir reden miteinander und nicht übereinander“. Da haben denn wohl der Nürtinger Oberbürgermeister und in seinem Gefolge die Vertreter der evangelischen und katholischen Geistlichkeit unter Anleitung eines eigens konsultierten „Islamberaters“ bisher die wichtigsten, weil heikelsten Themen vergessen!
Erfreulicherweise kenne ich türkischstämmige Mitbürger, die das Zusammenleben im Alltag auf dem Boden unserer deutschen Verfassungsordnung sehr wohl zu würdigen wissen und deshalb auch wissen, wer „ihr Präsident“ ist!
Leserbriefe | 31.12.2025 - 05:00
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