Sebastian M. Rausenberger, Neckartailfingen. Zum Artikel „Demjanjuks langer Weg vor Gericht“ vom 12. Mai. Warum wird ein 89-jähriger, schwer kranker Mann nach über sechs Jahrzehnten zur Rechenschaft gezogen? Darüber wird rege diskutiert, die Antwort ist jedoch einfach: Weil es richtig und wichtig ist! Der mutmaßliche Nazi-Scherge und staatenlose John Demjanjuk soll im Vernichtungslager Sobibór als Aufseher Beihilfe zum Mord an mindestens 29 000 Menschen geleistet haben, darüber sind sich Historiker der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen einig.
Neben dem KZ-Arzt Dr. Aribert Heim, bei dem man nicht weiß, wo und ob er überhaupt noch lebt, ist „Iwan der Schreckliche“, wie man ihn in Israel nennt, wohl der meistgesuchte Nazi-Verbrecher unserer Zeit. Aber warum soll er nun noch vor Gericht gestellt werden? Weil man ihn resozialisieren will? Davon hat die Gesellschaft wohl keinen großen Nutzen mehr, abgesehen davon ist er das schon seit über 60 Jahren. Weil Mord nie verjährt? Sicherlich. Man muss ihn allerdings zur Rechenschaft ziehen, um Gerechtigkeit auszuüben, Gerechtigkeit an den brutal ermordeten Männern, Frauen und Kindern, Gerechtigkeit an den Überlebenden des Vernichtungslagers Sobibór. Aber auch um die Vergangenheit aufzuarbeiten und vor allem der jüngeren Generation aufzuzeigen, dass solch schreckliche Verbrechen nie vergessen werden dürfen. Deshalb ist der Prozess sehr wichtig für Deutschland und für John Demjanjuk selbst wahrscheinlich auch, um mit sich an seinem letzten Tag im Reinen zu sein.
Leserbriefe | 31.12.2025 - 05:00
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Leserbriefe | 31.12.2025 - 05:00
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