Clara Brunner, NT-Hardt. Zu den Artikeln „München und Berlin schaffen Schwarzfahren ab“ und „Sprachhysterie“ vom 10. Juli.
Am Sonntag, 11. Juli, fand das EM-Finale statt. Hat jemand schon vor dem Spiel gehofft, dass keine schwarzen Spieler die Elfmeter schießen, damit sie nicht rassistisch beleidigt werden, falls sie das Spiel verlieren? Wahrscheinlich nicht. Viele schwarze Menschen haben das aber. Ich habe nicht darüber nachgedacht, was es für Auswirkungen haben könnte, wenn drei schwarze Menschen Elfmeter verschießen. Warum auch? Weil ich weiß bin, hat es auf mich ja keine Auswirkungen. Auf die schwarzen Briten, die von Schwarzen-Bürgerrechtsorganisationen dazu aufgerufen wurden, das Haus nicht zu verlassen, aber schon.
Genauso wie auf die People of Color, die Opfer von gewalttätigen Ausschreitungen wurden. Und trotzdem werden sie, ihre Rassismuserfahrungen und ihre Expertise nicht ernst genommen. Wie zum Beispiel in dem Kommentar „Sprachhysterie“, in dem die Entscheidung, den Begriff „Schwarzfahren“ nicht mehr zu verwenden, ins Lächerliche gezogen wird. Wenn es die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) allerdings „begrüßenswert“ findet, dann wird das einen Grund haben. Wir können versuchen, diesen Grund nachzuvollziehen und zu verstehen, aber das müssen wir gar nicht. Denn was wir verstehen müssen ist, dass wir es eben nicht verstehen, weil wir nicht von dieser Art der Diskriminierung betroffen sind.
Es gibt jedoch Menschen, die tagtäglich mit Rassismus zu kämpfen haben und diese wissen ganz genau, was das ist. Es liegt nicht an uns, zu definieren, was „(tatsächlicher) Rassismus“ ist und was nicht oder was im Kampf gegen Rassismus hilft und was nicht. Denn sind wir betroffen? Erleben wir Rassismus? Nein. Tun wir nicht und werden wir auch niemals. Das Mindeste, was wir tun können, ist zuhören, die Menschen ernst nehmen und den Kampf gegen Rassismus gemeinsam mit ihnen führen. Denn die Experten sind hier die betroffenen Personen. Wie immer, wenn es um Diskriminierung geht.
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