Gerhard Ostertag, Bissingen.
„Die Bundestagswahl findet am 26. September statt“, heißt es derzeit allenthalben. Doch dieser Satz stimmt nicht. Richtig wäre: „Die Wahl findet auch am 26. September statt“. Denn immer mehr Bürger geben ihre Stimme bereits vor dem eigentlichen Wahltag ab. Alles deutet darauf hin, dass der Anteil der Briefwählerinnen und Briefwähler so hoch sein wird wie nie zuvor. Der Vorstand für den Bereich Post und Pakete Deutschland, Tobias Meyer, sieht in dieser Prognose keine Probleme. Zitat: „Vorbereitet sind wir auch für den Fall, dass mehr als 60 Prozent der Wähler Briefwahl nutzen“.
Der Zeitraum für die Abstimmung durch die Briefwahl dehnt sich auf mehrere Wochen. Wer seine Stimme lange vor der Wahl abgibt, kann aktuelle Ereignisse vor der Abstimmung nicht mehr in seiner Entscheidung berücksichtigen. Das zeigt ein Beispiel: die baden-württembergische Landtagswahl 2011. Ohne die Katastrophe in Fukushima zwei Wochen vor der Wahl hätte es der Grüne vermutlich nicht in die Staatskanzlei geschafft. Wenn damals schon ein größerer Anteil der Bürger seine Stimme vorab abgegeben hätte, wäre Kretschmann wahrscheinlich nie Ministerpräsident geworden.
Was lernt ein Briefwähler daraus? Die Kreuze auf dem Stimmzettel nicht zu früh machen und Absenden beziehungsweise Einwerfen möglichst spät. Es muss ja nicht gerade eine Stunde vor „Torschluss“ sein.
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