Wirtschaft
Der Auftrags-Tüftler
Reinhard Gantke entwickelt für Firmen neue Produkte – Fünfter Platz beim baden-württembergischen Gründerpreis
Wenn Reinhard Gantke zum Kunden geht, dann weiß er oft noch nicht, mit welcher Aufgabe er wieder nach Hause kommt: „Das ist das Spannende an meinem Beruf.“ Der 53-Jährige entwickelt im Kundenauftrag neue und innovative Produkte. Vergangenes Jahr hat er sich damit selbständig gemacht. Beim Gründerpreis Baden-Württemberg hat er jetzt den fünften Platz belegt.
GROSSBETTLINGEN. Reinhard Gantke bezeichnet sich selbst als „Auftragsinnovator“. „Die Kunden kommen zu mir mit einer Idee, und ich zeige ihnen den Weg, wie man das technisch umsetzen kann“, erzählt er. Produktneuentwicklungen zählen ebenso dazu wie Produktverbesserungen. Gantke liefert die komplette Vorentwicklung bis hin zum Prototypenbau.
Über seine bisherigen Erfindungen darf Reinhard Gantke nicht viel erzählen. Vieles unterliege noch der Geheimhaltungspflicht. Ein Assistenzsystem zur Lagerung von Gliedmaßen bei Operationen gehört zum Beispiel dazu. Oder ein Anti-Vibrationssystem für Schneid-, Säge- und Schleifmaschinen, eine Absaugeinrichtung für Stäube und ein Bürodrehstuhl mit „intelligenter“ Kinematik. Sein Spektrum umfasst viele technische Bereiche, von der Antriebstechnik über den Maschinenbau, Haushaltsgeräte, Möbel, Medizin- und Sanitärtechnik bis hin zum Automobilbau, um nur einige zu nennen.
Reinhard Gantke hat die klassische Ingenieurskarriere gemacht. Er studierte Maschinenbau an der FH Dortmund (dort kommt er auch her) und war in mehreren Firmen als Konstrukteur, Entwicklungsleiter sowie Leiter Forschung, Innovation und Entwicklung angestellt. Unter anderem war er beim Nürtinger Elektrowerkzeugehersteller Metabo einige Jahre Leiter des Innovationsmanagements.
Zu dieser Zeit vor etwa 15 Jahren reifte in ihm auch der Traum, sich selbständig zu machen. Allerdings erst in den vergangenen drei, vier Jahren wurde daraus ein konkretes Geschäftsmodell. Seine umfangreiche Erfahrung kommt ihm dabei zugute. Über 300 Projekte habe er im Laufe der Jahre gemacht, erzählt er.
Seine Kunden sind in der Regel mittelgroße Unternehmen. Sei es die fehlende Produktidee oder technische Lösung für die Umsetzung, keine Zeit neben dem Tagesgeschäft oder zu hohe Entwicklungskosten sind Gründe, warum Firmen diese Leistung fremdvergeben, so Gantke. Auch wenn es zum Beispiel darum geht, die Produktion zu optimieren oder die Herstellkosten zu senken, bietet der Unternehmer seine Dienste an. Durch seine Tätigkeit in verschiedenen Branchen könne er auch einen branchenübergreifenden Technologietransfer bieten, sprich Lösungen, die im jeweiligen technischen Umfeld so nicht bekannt sind. Ebenfalls gibt er Innovationsworkshops.
Ganz systematische Vorgehensweise
Aber wie kommt man auf Knopfdruck zu einer Produktidee? Gantke schmunzelt und verrät nur so viel: „Es gibt gute Möglichkeiten, dortin zu kommen.“ Er hat dafür eine Methode entwickelt, die er als „System Gantke“ bezeichnet und mit er streng systematisch vorgehe, berichtet er: „Das ist eine ganz systematische Art des Erfindens.“ Eine verwendbare Lösung finde er „praktisch immer“, sagt er, manchmal seien es sogar mehrere zur Auswahl. Für einen konstruktiven Entwurf benötige er zwei bis vier Wochen.
Reinhard Gantke stammt aus einer Familie, in der Selbständigkeit im Blut zu liegen scheint. Seine drei Geschwister sind ebenfalls selbständig, erzählt er. Nun hat auch er diesen Schritt gemacht. Unterstützt wird er von seiner Frau Heike, die sich hauptsächlich um die kaufmännischen Dinge kümmert, die aber auch als Ingenieurin ihren Blick auf die Entwürfe richtet, zum Beispiel wenn es um Ergonomie oder Bedienbarkeit geht. Heike Gantke hat Raumplanung studiert und war vorher als Planerin an der Hochschule im öffentlichen Dienst und in Planungsbüros tätig. Außerdem gibt es bislang einen festangestellten Mitarbeiter als Projektingenieur. Ein weiterer Mitarbeiter soll Mitte dieses Jahres folgen. Insgesamt, so Reinhard Gantke, soll das Unternehmen in absehbarer Zeit auf zehn Mitarbeiter anwachsen, „das traue ich mir zu“. Das Firmengebäude bietet noch Platz für eine eigene Werkstatt.
Die finanzielle Förderung von Innovationen sei in Baden-Württemberg „vorbildlich“, sagt Reinhard Gantke. Allein: „Sie wird viel zu wenig genutzt“, so seine Erfahrung. Mit einem Innovationsgutschein könnten auch kleinere Firmen in den Genuss finanzieller Förderung kommen.
Das Geschäftskonzept von Reinhard Gantke wurde jetzt beim Gründerpreis Baden-Württemberg mit dem fünften Platz ausgezeichnet. Der Preis wurde vor Kurzem von Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid und Sparkassenpräsident Peter Schneider überreicht. „Es ist ein gutes Gefühl, dass unser Geschäftsplan, an dem wir zwei Jahre gearbeitet haben, von einer Jury für gut befunden wurde“, sagt Heike Gantke. Für ihren Mann gab es bei der Veranstaltung freilich noch ein weiteres Highlight: Einmal neben Artur Fischer, dem berühmten Unternehmer und Erfinder, in einer Reihe zu stehen: „Das war eine Ehre für mich, denn dieser Mann ist für mich ein Idol.“
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