Der Graf, Sänger der Band Unheilig («Geboren um zu leben»), schmunzelt über sein Image als düsterer Griesgram. «Ich bin ein ganz normaler Mensch. Ich lache gerne und bin auch lustig», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das Publikum sehe oft nur die Kunstfigur. «Manche halten mich für einen Trauerliedsänger, der über Weltschmerz nachdenkt.» Das sei ein Irrtum. «Das Bild ist wohl davon geprägt, wie ich mich in den ersten Jahren präsentiert habe: rüschenverzierter Mantel und Stiefel. Ich habe fast nie gelacht.»
Auch der Bandname Unheilig sei mehr als nur ein düsteres Markenzeichen. «Ich bin ein sehr gläubiger Mensch», sagte der Sänger. Aber nicht im klassischen Sinn, wie Religionen dies predigten. «Wenn du so glaubst, bist du in den Augen vieler ein Unheiliger. Das fand ich gut!» Im Bandnamen stecke seine Lust am Widerspruch. «Wenn man mir sagt, mach das nicht, mache ich das erst recht. Ein kleiner Revoluzzer.»
Der Musiker, der Persönliches wie Namen und Alter nicht öffentlich macht, sieht Selbstzweifel als wichtigen Antrieb für künstlerisches Schaffen. «Du suchst eine Ausdrucksform für deine Zweifel. Der eine schreibt ein Buch, der andere malt ein Bild. Ich schreibe Lieder.» Manche Songs seien ein Ausdruck dieser Unsicherheit. «Ich brauche die Musik manchmal als Ventil, um mir das Leben zu erklären.» Bei dem aktuellen Album «Liebe, Glaube, Monster» stünde «Monster» für seine Versagensangst und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
2016 hatte der Graf ein vermeintlich letztes Konzert gegeben. Er steht seit dem vergangenen Jahr wieder auf der Bühne. «Das Comeback war schwerer als der Abschied, der war erklärbar», sagte er. «Ich hatte musikalisch nichts zu sagen, die Kreativität konnte nicht mehr raus, ich wollte mehr Zeit für die Familie.» In der Notaufnahme, mit Verdacht auf Herzinfarkt, entschied er sich für ein Comeback. «Ich dachte: Worauf will ich warten? Mach doch einfach.»
Unheilig tourt ab Mitte November und will sich 2027 nach einigen Sommerfestivals vorübergehend zurückziehen. Er möchte neue Musik schreiben und die vergangenen Jahre verarbeiten, sagte der Graf. Es sei einiges passiert: der Tod seiner Eltern, gesundheitliche Probleme und ein Sturz von der Bühne. «Wie im Hollywoodfilm irgendwie. Ich dachte: Alter Schwede, da ist viel zusammengekommen. Darüber kannst du fast einen Krimi drehen.»
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