Der für seine bissig-satirischen Texte bekannte Münchner Schriftsteller und Journalist Joseph von Westphalen ist tot. Er sei bereits am 29. Oktober im Alter von 81 Jahren gestorben, bestätigte die Penguin Random House Verlagsgruppe unter Berufung auf die Familie des Verstorbenen. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. Berühmt wurde der Autor unter anderem mit gesellschaftssatirischen Romanen über den ehemaligen Diplomaten Harry von Duckwitz - sein Alter Ego, wie von Westphalen zugab.
In den 90er Jahren hatte der Autor diesen adeligen Schürzenjäger und Alt-68er in einer Trilogie zum Leben erweckt, die Romane tragen die Titel «Im diplomatischen Dienst» (1991), «Das schöne Leben» (1993) und «Die bösen Frauen» (1996). Eine Figur mit autobiografischen Zügen, wie von Westphalen einräumte. Schließlich drehten sich die Geschichten auch um seine eigene Verwandtschaft, zu der auch Jenny von Westphalen zählt, die Ehefrau des Philosophen und Ökonomen Karl Marx («Das Kapital»).
Der Verlag nannte von Westphalen eine der eigenwilligsten und profiliertesten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur - mit großer Liebe für den Jazz. Als Kolumnist wie auch als Schriftsteller sei es ihm stets darum gegangen, kulturelle, politische und gesellschaftliche Missstände aufzudecken, sagte die btb- und Luchterhand-Verlegerin Grusche Juncker. «Ein kritischer Geist, dessen Romane, Essays und Geschichten sich durch hohe literarische Virtuosität sowie bissigen Humor auszeichnen.» In der Ära des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl sei er zudem eine «politisch unbequeme Stimme» gewesen.
Von Westphalen wurde in Schwandorf in der Oberpfalz geboren, wuchs aber in München auf. Er studierte Germanistik und Kunstgeschichte. Sein Verhältnis zur 68er-Bewegung beschrieb er so: Er habe dieser «mit größtem Wohlwollen und mäßigem Engagement» gegenübergestanden. Als Journalist schrieb er unter anderem für das Braunschweiger Kulturmagazin «Westermanns Monatshefte» oder das Männermagazin «Playboy». Für die Münchner «Abendzeitung» verfasste er die Kolumne «Der Flaneur».
1992 erhielt er in seiner Heimatstadt den Ernst-Hoferichter-Preis, der für «Originalität mit Weltoffenheit und Humor» verliehen wird.
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