Kultur

Regisseur Wim Wenders verteidigt sich nach Berlinale-Eklat

Wenders stellt in Venedig seine neue Doku vor. Alberto Terenghi/Pool Even/IPA via ZUMA Press/dpa

Regisseur Wim Wenders (81) hat seine umstrittenen Äußerungen bei der Berlinale verteidigt und Vorwürfe einer unpolitischen Haltung zurückgewiesen. Bei den Filmfestspielen von Venedig sagte der Filmemacher, er sei damals falsch zitiert worden.

«Ich könnte das Gleiche wiederholen, was ich damals gesagt habe. Ich könnte mich noch deutlicher ausdrücken. Was ich damals gesagt habe, ist: Wir Filmemacher sind das Gegenteil von Politikern. Wir haben Empathie. Politik funktioniert ohne Empathie, und das ist alles, was ich gesagt habe. Wir verfolgen einen ganz anderen Ansatz.»

Bei der Berlinale hatte Wenders mit einer Aussage auf der Jury-Pressekonferenz einen größeren Eklat ausgelöst. Er antwortete damals auf eine Frage zum Gaza-Krieg: «Wir können uns nicht wirklich auf das Feld der Politik begeben. Wir müssen uns aus der Politik heraushalten, denn wenn wir Filme drehen würden, die ausschließlich politisch ausgerichtet sind, würden wir uns auf das Feld der Politik begeben - aber wir sind das Gegengewicht zur Politik. Wir sind das Gegenteil von Politik. Wir müssen die Arbeit der Menschen leisten und nicht die Arbeit der Politiker.»

Diese Aussage wurde in den sozialen Medien verkürzt wiedergegeben, was zu größeren politischen Debatten über den Gaza-Krieg und die politische Haltung von Filmemachern führte. Das erstreckte sich über die gesamte Berlinale und endete in einem offenen Brief, Boykott-Aufrufen, Protesten und Stellungnahmen. 

In Venedig sagte Wenders nun: «Wir arbeiten nicht mit der Denkweise von Politikern. Wir arbeiten mit der Denkweise von empathischen Menschen. Und wir wollen Dinge verändern. In der Politik geht es darum, den Status quo zu bestätigen. Und genau das habe ich gesagt, und es wurde so zitiert: "Wir müssen uns aus der Politik heraushalten." Das war eindeutig nicht das, was ich gesagt habe, denn es ist nicht das, was ich jetzt sage, und ich habe damals dasselbe gesagt.»

Der Bezugsrahmen von Filmemachern sei ein anderer als jener von Politikern, fuhr Wenders fort. «Und wir sollten nicht mit deren Denkweise arbeiten. Wir arbeiten nach anderen Regeln. Ich sage das noch einmal, und ich hoffe, Sie zitieren mich nicht falsch und behaupten, wir müssten uns aus der Politik heraushalten, denn wir tun genau das Gegenteil. Wir sind das Gegenmittel.»

In Venedig präsentiert Wenders seinen neuen Film «From Inside Out - The Architecture of Peter Zumthor». In der Doku, die in 3D gedreht ist, erzählt er vom Werk des Schweizer Architekten und nähert sich dessen legendären Bauwerken, etwa der Therme Vals.

© dpa-infocom, dpa:260906-930-641875/1

Zur Startseite