Kultur

Neuer Literaturpreis ehrt Werke mit KI

Die Frage, wie viel Künstliche Intelligenz die Literatur verträgt, hat in der Buchbranche zuletzt zunehmend für Debatten gesorgt. (Symbolbild) Robert Michael/dpa

Wenn der Verdacht aufkommt, Schriftsteller könnten für ihr Werk Künstliche Intelligenz zu Hilfe genommen haben, ist die Aufregung groß - nun gibt es mit dem französischen Prix Pascal sogar einen Literaturpreis für KI. Bis Ende November kann jeder oder jede - unabhängig von literarischer Erfahrung und Staatsangehörigkeit - ein Werk einreichen, das mit Hilfe mit einer KI verfasst wurde, wie es auf der Webseite für den Preis heißt. Bedingung: Der Text müsse noch unveröffentlicht und auf Französisch geschrieben sein. Ein Verlag sei nicht erforderlich. Der Wettbewerb läuft seit Dienstag.

Die Frage, wie viel Künstliche Intelligenz die Literatur verträgt, hat in der Buchbranche zuletzt zunehmend für Debatten gesorgt. Im September war ein Roman unter KI-Verdacht aus dem Rennen um den renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt ausgeschieden: Die Académie Goncourt strich «C'était ça ou mourir» (etwa: Das oder sterben) des kanadisch-haitianischen Schriftstellers Thélyson Orélien aus ihrer Auswahl. 

In der Folge beendete Oréliens kanadischer Verlag nun die Zusammenarbeit mit dem Autor. Nach Verlagsangaben erhärteten neue Erkenntnisse den Verdacht, dass KI am Schreibprozess des Romans beteiligt war. Allerdings räumte der Verlag ein, dass das tatsächliche Ausmaß des KI-Einsatzes ungeklärt sei. Orélien hatte gegenüber der französischen Zeitung «Libération» erklärt, KI ausschließlich für Recherchen genutzt zu haben.

Der Prix Pascal soll nach eigenen Angaben Texte auszeichnen, die etwas Neues bringen und kein Format wiederholen, das es bereits früher gegeben habe. Das Werk solle nützlich sein, alarmieren oder originell dazu beitragen, eine die Menschheit bedrohende ökologische, soziale oder ethische Herausforderung zu lösen. 

Alle großen Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude sind den Angaben nach zugelassen. Das verwendete Werkzeug müsse als Information für die Jury Teil der technischen Akte sein. Auch der Agent oder Prompt wird angegeben. Das Manuskript soll ungefähr 300.000 Zeichen umfassen. Für eine faire Beurteilung gebe es eine anonyme Einreichung. 

Der Prix Pascal soll Texte auszeichnen, die etwas Neues bringen und kein Format wiederholen, das es bereits früher gegeben habe. (Symbolbild) Matthias Bein/dpa

Ende November soll eine Jury die zehn Finalisten auswählen. Anfang Dezember soll der Prix Pascal vergeben werden. Die Preisträgerin oder der Preisträger gewinnt den Angaben nach neben einem Preisgeld die Veröffentlichung des Werkes und mediale Sichtbarkeit. 

KI sei bereits in den Schreibwerkstätten, den Manuskripten und Buchhandlungen angekommen, heißt es auf der Webseite für die Ausschreibung. Der Prix Pascal stelle laut die Frage, was ein Werk sei, wenn Autor und Maschine zusammenarbeiteten.

Der Preis ist nach Blaise Pascal benannt, französischer Mathematiker, Physiker, Philosoph und Theologe aus dem 17. Jahrhundert. Er sei der einzige westliche Denker, der ein Pionier der Maschine und gleichzeitig ein Meister der Sprache gewesen sei, heißt es auf der Webseite zum Preis.

© dpa-infocom, dpa:261022-930-877990/1

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