Die AfD-Fraktion im Magdeburger Stadtrat will den jährlichen Zuschuss für das Theater der Landeshauptstadt deutlich senken. Angesichts der finanziellen Situation der Landeshauptstadt müsse die Frage erlaubt sein, ob die heutige Struktur auf Dauer in dieser Form finanzierbar sei, heißt es in einer Mitteilung der AfD. Die Fraktion hat für die nächste Stadtratssitzung Anfang November einen entsprechenden Antrag vorgelegt, gegen den sich allerdings bereits breiter Protest im Stadtrat regt.
Das Theater koste den Steuerzahler jährlich 37 Millionen Euro und nehme selbst lediglich 4 Millionen Euro ein. Ziel dürfe zwar nicht die Schließung des Theaters sein. Es müsse aber geprüft werden, ob Magdeburg dauerhaft sämtliche künstlerischen Angebote mit eigenen vollständigen Strukturen produzieren müsse.
In der Vergangenheit hat es seitens der AfD in Magdeburg und auch in Sachsen-Anhalt immer wieder Vorstöße gegen die Kultur- und Theaterlandschaft gegeben. Vor gut einem Jahr wollte die AfD-Fraktion im Magdeburger Stadtrat eine Förderrichtlinie so ändern, dass nur diejenigen Projekte antragsberechtigt sein sollten, die eine verpflichtende Erklärung zu parteipolitischer Neutralität abgeben sollten. Der Antrag wurde abgelehnt. Im Sommer wollte die AfD-Landtagsfraktion staatliche Fördergelder an ein «Bekenntnis zu Staat, Demokratie und deutscher Kultur» binden. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt.
Das Theater Magdeburg war im vergangenen Jahr zum «Theater des Jahres» gewählt worden. Es sieht die Pläne mit Sorge. Der Antrag ziele auf eine wesentliche Veränderung mit einschneidenden Konsequenzen für das Theater Magdeburg als Mehrspartenhaus ab, sagte Verwaltungsdirektorin Bettina Pesch. «Strukturelle Kürzungen würden unweigerlich die Schließung ganzer Sparten bedeuten.» Einsparungen ohne massiven Personalabbau wären in dieser Größenordnung nicht möglich.
Das hätte Folgen für die Publikumsresonanz, Zuschauerzahlen sowie die Arbeitsfähigkeit und künstlerische Weiterentwicklung der einzelnen Sparten. Neben Zuschüssen der Stadt bekommt das Theater auch Zuschüsse aus dem Landeshaushalt. Die Staatskanzlei wies darauf hin, dass der laufende Vertrag noch bis Ende 2028 gelte. «Die Rahmenbedingungen des Grundgesetzes, der Landesverfassung und des Kulturfördergesetzes müssen natürlich gewahrt und das Landesinteresse gegeben sein», sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei.
Auch aus den Stadtratsfraktionen gibt es bereits Widerspruch gegen die AfD-Pläne. «Der Antrag der AfD ist Sinnbild ihrer Kultur-Kahlschlaghammer-Politik», sagte der Linken-Fraktionsvorsitzende und Finanzpolitiker Noah Biswanger. Die Fraktion von SPD/Tierschutzallianz/Volt sieht die Pläne als existenzgefährdend für das Theater. «Die Auszeichnung als Theater des Jahres 2025 zeigt die auch überregionale hohe Wahrnehmung und Wertschätzung unseres Stadttheaters.»
Die Gartenpartei teilte mit, es werde keine Zustimmung bei Einsparungen in den Bereichen Kultur und Sport oder zulasten von Rentnern, Kindern oder Jugendlichen geben.
Die Diskussion um die Kürzungen fällt in eine heiße Debatte um den Haushalt der Landeshauptstadt. Seit Jahren kämpft Magdeburg mit einem nicht ausgeglichenen Haushalt. In einem Haushaltsplanentwurf fehlen derzeit 47 Millionen Euro. Der Stadtrat soll am 5. November über das Konsolidierungskonzept entscheiden, am 7. Dezember über den Haushalt für 2027.
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