Vor dem Hintergrund politischen Streits mit der Ukraine häufen sich in Polen Berichte über Übergriffe auf dort lebende Ukrainerinnen und Ukrainer. Großes Aufsehen erregte ein Zwischenfall in Bielsko-Biala im Südwesten Polens. In einem Bus beschimpfte ein Mann ukrainische Mädchen unflätig und verlangte, sie sollten in ihr Land zurückkehren.
In Sosnowiec im Süden wurde nach Medienberichten vom Dienstag ein Mann verhaftet, der in den vergangenen Wochen dreimal Ukrainer angegriffen haben soll. In Lodz in Zentralpolen erstattete ein Pole Anzeige. Er war verprügelt und am Kopf verletzt worden, weil der Angreifer ihn für einen Ukrainer hielt. Das meldete die Nachrichtenagentur PAP nach Polizeiangaben.
Innenminister Marcin Kierwinski warf der politischen Rechten vor, Stimmung gegen die etwa 1,5 Millionen Ukrainer in Polen zu machen. «Die Opfer sind sowohl Polen wie Ausländer», schrieb er auf dem Portal X. Die Polizei werde in allen Fällen entschlossen reagieren: «Null Toleranz!» Die linksliberale Zeitung «Gazeta Wyborcza» schrieb von einer Hetzjagd: «Ihr Ziel sind die Ukrainer, die angeblich für all unsere Probleme und Misserfolge verantwortlich sind.»
Der aktuelle Streit der Verbündeten hat sich an einem schwierigen Kapitel im Zweiten Weltkrieg entzündet. Die Ukraine ehrt Partisanen der Ukrainischen Untergrundarmee UPA als Kämpfer für Unabhängigkeit. Doch in den Jahren 1943-45 verübte die UPA Massaker an Zehntausenden Polen. Der seit Mai schwelende Streit geht mittlerweile über Geschichtspolitik hinaus und droht, auch die militärische und wirtschaftliche Kooperation zu beeinträchtigen.
Schon vor 2022 lebten und arbeiteten Hunderttausende Ukrainer und Ukrainerinnen in Polen. Nach dem russischen Einmarsch nahm Polen sehr hilfsbereit Flüchtlinge auf und integrierte sie. Mittlerweile wendet sich die gesellschaftliche Stimmung aber eher gegen die Ukrainer. Der Abgeordnete Janusz Kowalski von der nationalkonservativen Partei PiS fragte auf X, ob Ukrainer im wehrfähigen Alter in ihre Heimat zurückgeschickt werden sollten. Dafür erhielt er Tausende Stimmen mit deutlicher Zustimmung.
Der konservative Publizist Lukasz Warzecha sprach auf X von einer Reaktion gegen eine angeblich «aufgezwungene Begeisterung für die Ukrainer» zu Kriegsbeginn. Die Übergriffe seien Einzelfälle, die übertrieben würden. «Der Großteil der Ukrainer fühlt sich in Polen wohl, und niemand schikaniert sie.»
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