Panorama

Schlagabtausch zu neuen Beweisanträgen im Block-Prozess

Es ist bereits der 84. Verhandlungstag im Prozess gegen Christina Block. Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

Im Prozess um die Entführung der Block-Kinder haben Verteidigung und Staatsanwaltschaft sich einen Schlagabtausch zu zahlreichen neuen Beweisanträgen geliefert. Die Vertreterin der Anklagebehörde kritisierte eine «Verschleppung des Prozesses». Anwalt Ingo Bott, der die Mutter der beiden Kinder, Christina Block, verteidigt, wies den Vorwurf als abwegig zurück. Das alles sei wichtig für die Wahrheitsfindung, denn die Anträge zeigten viel Entlastendes.

Kurz vor Ablauf einer für den 28. Oktober gesetzten Frist waren 860 Seiten an Anträgen beim Landgericht Hamburg eingegangen. Allein 840 Seiten davon waren laut Vorsitzender Richterin von Anwalt Ingo Bott gekommen. Die Prozessbeteiligten hatten an diesem 84. Verhandlungstag Gelegenheit, Stellung zu den Anträgen zu nehmen, über die das Gericht entscheiden muss.

Die Hamburger Unternehmerin Christina Block (53) ist angeklagt, nach einem Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Süddänemark nach Deutschland zu entführen. Sie bestreitet das. Es gibt sechs weitere Angeklagte, darunter Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling. Der frühere Sportmoderator bestreitet ebenfalls, etwas Unrechtes getan zu haben.

In seinen neuen Beweisanträgen geht es nach Angaben von Bott vor allem um die Geodaten des Handys von Christina Block. Diese belegten, dass seine Mandantin zur Zeit eines angeblichen Treffens mit den mutmaßlichen Entführern am 28. oder 29. Dezember 2023 gar nicht am angeblichen Treffpunkt im Hotel «Grand Elysée» gewesen sein könnte. Die Kinder waren in der folgenden Silvesternacht nach Deutschland gebracht worden. Blocks Handy war wenige Stunden nach der Entführung von der Hamburger Polizei sichergestellt worden. Die Daten wurden den Prozessbeteiligten aber erst kürzlich zur Verfügung gestellt.

Bislang hat die Kammer Verhandlungstage bis zum 18. Dezember angesetzt. Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

Auch eine Sprachnachricht von Frau Block an eine Freundin am Silvesterabend müsse eingeführt werden, forderte Bott. Sie zeige ihre Hoffnungslosigkeit, wieder mit ihren Kindern in Kontakt zu kommen. Sie könne von der bevorstehenden Tat wenige Stunden später also nichts gewusst haben.

Das Beschwerdeverfahren um die Sicherstellung von Tonaufnahmen mit der Familie des Vaters in Dänemark für den Podcast «Zeit Verbrechen: House of Block» bei einer «Zeit»-Journalistin kam an diesem kurzen Prozesstag nicht zur Sprache. 

Bislang hat die Kammer Verhandlungstage bis zum 18. Dezember angesetzt. Es wurde im Gerichtssaal aber deutlich, dass der Prozess länger dauern könnte und bereits mögliche Termine bis Februar bei den Prozessbeteiligten abgefragt wurden. Der nächste Verhandlungstag ist am 6. November.

© dpa-infocom, dpa:261102-930-930892/1

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