Panorama

Ermittler fälscht bei Vermisstenfällen und löst Skandal aus

Die 37-jährige Jang Mi Ran wurde im Mai auf Jeju als vermisst gemeldet. Der zuständige Polizist gab fälschlich an, mit ihr telefoniert zu haben. Später wurde sie an diesem Fundort tot aufgefunden. --/YNA/dpa

Mehrere Vermisstenfälle soll ein südkoreanischer Polizist fälschlich und mit fatalen Folgen geschlossen haben - als Reaktion fordert Ministerpräsidentin Han Seong Sook eine grundlegende Polizeireform. Die nationale Polizeibehörde kündigte nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap an, sämtliche der rund 310.000 Vermisstenfälle, die in den vergangenen drei Jahren abgeschlossen wurden, erneut zu überprüfen.

Hintergrund ist ein Polizeiskandal, der die südkoreanische Öffentlichkeit seit Tagen schockiert. Ein mittlerweile verhafteter Polizist auf Jeju soll mindestens zwei Vermisstenfälle vorzeitig beendet haben. In beiden Fällen wurden die Vermissten später tot aufgefunden.

Besonders schwer wiegt der Fall einer 37-jährigen Frau, die im Mai als vermisst gemeldet worden war. Der Beamte hatte angegeben, mit ihr telefoniert und ihre Sicherheit überprüft zu haben. Ermittler fanden jedoch weder auf dem Mobiltelefon der Frau noch auf dem des Polizisten einen entsprechenden Anruf.

Auch die Suche nach einem vermissten Mann in seinen 60ern soll der Beamte Anfang Juli beendet haben. Er begründete dies damit, dass sich der Mann nicht mit der Polizei habe treffen wollen. Der Mann wurde später ebenfalls tot aufgefunden.

Der Fall löste eine landesweite Debatte über die Kontrolle der Polizeiarbeit aus. Besonders schockiert die Öffentlichkeit, dass das mutmaßliche Fehlverhalten des Polizisten offenbar unbemerkt bleiben konnte. Der Beamte hatte insgesamt 298 Vermisstenfälle bearbeitet. Die Polizei überprüft deshalb sämtliche von ihm bearbeiteten Fälle auf mögliche weitere vorzeitige Abschlüsse - laut Medienberichten gibt es zehn Verdachtsfälle.

© dpa-infocom, dpa:260827-930-589131/1

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