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Wie Marcel Benz aus Köngen auf dem Cannstatter Wasen zum Festzeltwirt Beim Benz wurde

Vom Caterer zum Wasenwirt: In der Corona-Zeit bekam Marcel Benz einen Anruf, der ihn überraschte. Was danach geschah, ist eine Erfolgsgeschichte, die ein mutiger Schritt in ungewissen Zeiten war.

Wenn die Stimmung im Zelt auf dem Höhepunkt ist, ist der Arbeitstag von Marcel Benz ein gelungener Tag. Dabei ist jeder neue Festzelttag eine Herausforderung. Foto: pm
Tausende Mahlzeiten und literweise Bier gehen an einem Abend von der Theke. Foto: pm
Tausende von Menschen finden jeden Abend während des Wasens in das Festzelt. In der Corona-Zeit nicht vorstellbar. Foto: pm
Im Festzelt herrscht ausgelassene Stimmung, im Hintergrund ist es eine Mammutaufgabe, die Gäste zu bewirten und glücklich zu machen. Foto: pm

KÖNGEN. Marcel Benz ist Gastronom durch und durch. Groß geworden im Hotel Schwanen in Köngen, hat er schon als kleiner Junge seinem Vater Erwin Benz über die Schultern blicken können. Er besitzt, wie er selbst sagt, die „Gastronomen-DNA“. Dass er heute vier Gastro-Unternehmen unter der Marke „Benz & Co.“ führt, ist also nicht verwunderlich.

So sieht sich Benz jeden Tag

Er ist nicht nur Caterer, der Familienfeste, Firmenfeiern und Großveranstaltungen bewirtet, in der Porsche-Arena und der Schleyerhalle sich um das leibliche Wohl sorgt, sondern Marcel Benz ist auch seit 2022 ein echter Festzeltwirt. Jeden Abend während des Cannstatter Wasens und des Frühlingsfests ist er, traditionsgemäß in Janker und Lederhose, ein leidenschaftlicher Gastgeber für Tausende von Besuchern in seinem Festzelt „Beim Benz“. Jeweils zwei Wochen am Stück ist das Zelt seine Heimat. Zweimal im Jahr, von morgens bis spät in die Nacht, ist er ununterbrochen im Einsatz, immer ansprechbar für Gäste, Mitarbeiter und Lieferanten. Acht Wochen vor dem Wasen-Spektakel beginnt der Aufbau – das sind Wochen voller Schrauben, Planen, Kabel und unzähliger Entscheidungen.

Doch dann beginnt die Zeit, auf die alles hinausläuft: zwei Wochen voller Musik, Lachen und unvergesslicher Begegnungen. Gemeinsam mit seinem Festzelt-Team bereitet er Abend für Abend ein Erlebnis für Tausende Besucher vor, die genau hier besondere Stunden genießen wollen. Dabei spielt nicht nur die Stimmung eine Hauptrolle, sondern auch die Küche: Mit viel Liebe zum Detail entstehen regionale Spezialitäten, eng abgestimmt mit Landwirten und Produzenten aus der Umgebung. Das Gemüse beispielsweise kommt von einem Landwirt aus seiner Köngener Heimat. Marcel Benz setzt hohe Ansprüche an sich selbst. Er hat den Anspruch, sich jeden Tag ein Stück weiterzuentwickeln und besser zu werden als am Tag zuvor. Mit großer Leidenschaft möchte er ein aufmerksamer Gastgeber, ein verantwortungsvoller Chef, ein liebevoller Familienvater und ein engagierter Unternehmer sein. Diese hohen Ansprüche lebt er nicht nur in seinem erfolgreichen Catering-Unternehmen, sondern ebenso im Festzelt. „Qualität, Frische und ein authentischer Geschmack liegen mir besonders am Herzen“, betont Benz.

Von Gastfreundschaft und guter Stimmung

Auch das „& Co.“ im Firmennamen kommt nicht von ungefähr. Das gesamte Team, mittlerweile 350 an der Zahl, ist in diesem Namen vertreten. Denn dieses sorgt im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf. Das engagierte Büro-Team kümmert sich um die Planung und Organisation, über Reservierungen bis hin zur persönlichen Betreuung der Gäste.

Mehr als vier Millionen Menschen strömen jedes Jahr über den Wasen – acht Festzelte laden zum gemeinsamen Feiern ein. Benz berichtet mit ein wenig Stolz: „Rund 4000 feierfreudige Gäste finden hier jeden Abend zusammen, um unsere einzigartige Mischung aus mitreißender Stimmung, herzlicher Gastfreundschaft und echter Festzeltkultur zu erleben.“

Tausende Mahlzeiten und noch mehr Liter Bier, unzählige Handgriffe hinter den Kulissen, Toiletten, Technik, Sicherheit – eine Mammutaufgabe für das gesamte Team. Dimensionen, die selbst erfahrene Wirte ehrfürchtig werden lassen.

Wie alles begann

Rückblick: Der 16‑jährige Marcel hat gerade seinen Realschulabschluss in der Tasche. Seit wenigen Wochen absolviert er eine Ausbildung zum Hotelfachmann im Hotel Schlossgarten in Stuttgart. Für ihn, den Sohn einer Gastronomen-Familie, war früh klar, dass er seinen Weg in dieser Branche finden würde. Nach der Ausbildung möchte er ins Ausland gehen, Erfahrungen sammeln, neue Arbeitswelten kennenlernen – und später „irgendwas mit Catering“ machen. Ein Plan, der noch offen klingt, aber in seinem Kopf längst Form annimmt. Der Teenager macht das, was die meisten in seinem Alter so machen: Er geht aus, feiert und wird flügge. Heute ist er mit einem Kumpel unterwegs auf dem Cannstatter Wasen. Die Fahrgeschäfte findet er gut, aber die riesigen Festzelte faszinieren ihn noch mehr. Mitten im Feiern, oben auf der Bierbank, ruft er – getragen von Musik, Lachen und jugendlicher Leichtigkeit – seinem Kumpel mit leuchtenden Augen zu: „Irgendwann will ich mal ein Festzelt!“ Ein Satz, der damals im Lärm des Abends fast untergeht und später in Vergessenheit gerät. Aber Jahrzehnte später zur Anekdote wird.

Nach seiner Ausbildung hat er für einige Jahre das Schwabenländle verlassen. Mutig hat er sich der Herausforderung gestellt, allein ins Ausland zu gehen, um dort Erfahrungen für seinen beruflichen, aber auch privaten Lebensweg zu sammeln und zu lernen. Seine Wege führten ihn nach Madrid, Ibiza und Wien zu namhaften Unternehmen aus der Gastronomie. In der österreichischen Hauptstadt war dann klar: „Catering ist mein Ding.“ 2007 war es dann so weit und die „Benz & Co.“ wurde gegründet. Ob großes oder kleines Event – verlassen kann er sich dabei auf ein starkes Team, das immer mit vollem Einsatz dabei ist. Auch seine Familie ist ein starker Rückhalt, die seine mutigen Ideen und Vorhaben unterstützt.

Vom Landtag über das Historische Volksfest zum Cannstatter Wasen

Fast dreißig Jahre später wirkt der Ausruf, den Benz als junger Kerl seinem Kumpel zugerufen hat, wie ein unsichtbarer roter Faden, dem er unbewusst folgte: Es ist das Jahr 2020. Der Gastronom ist mittlerweile ein erfolgreicher Catering-Unternehmer. Mit seinem Unternehmen hat er sich einen Namen weit über die Region hinaus gemacht. Und irgendwie scheint alles kein Zufall zu sein: 2018 übernimmt Benz das Zelt des Historischen Volksfests auf dem Stuttgarter Schlossplatz, da er als damaliger Pächter des Plenums im Stuttgarter Landtag bereits als verlässlicher Gastgeber bekannt ist.

Dann kam 2020 – ein denkwürdiges Jahr. Für alle Menschen weltweit. Die Corona-Pandemie war für die Gastronomie ein Jahr der Unsicherheit, des Stillstands und der Improvisation. Viele Betriebe standen vor der Frage, ob sie jemals wieder öffnen würden. Zwischen März und August 2020 brach der Umsatz der Gastronomie real um 40,5 Prozent ein. Und dann geschah etwas Unerwartetes im Leben von Benz. Mitten im Lockdown klingelte das Telefon des Caterers. Ein Vertreter der Stuttgarter Hofbräu AG war am anderen Ende. Er fragte, ob er Interesse habe, das Grandl’s-Festzelt auf dem Wasen zu übernehmen. „Dieser Anruf war dann schon erst einmal eine Überraschung“, so Benz. Aber er wäre nicht er, wenn er sich nicht auf erste Gespräche eingelassen hätte. Erst mit der Brauerei, kurze Zeit später mit Hans-Peter Grandl. Benz erinnert sich: „Die Chemie zwischen Hans-Peter und mir hat sofort gepasst. Wir wollten beide, dass dies mit uns funktioniert.“ Das gute Verhältnis der beiden hat sogar dazu geführt, dass Marcel Benz heute über Hans-Peter Grandl als väterlichen Freund spricht.

Dass ihm das Zelt angeboten wurde, kam aus heiterem Himmel, ein Moment, der genauso gut hätte vorbeiziehen können. Es gab noch weitere Interessenten. Doch Benz griff zu. Aber es war noch ein weiter Weg, den er gehen musste. „Natürlich waren da Zweifel und natürlich war da die Angst vor dem Scheitern. Vor allem in der Corona-Zeit, als alles stillstand und niemand wusste, wie es weitergehen würde“, blickt der Gastronom rückblickend auf eine nicht leichte Zeit. Aber für den immer positiv denkenden Menschen Marcel Benz war der Anruf ein Zeichen, das Verhältnis zu Grandl vertrauensvoll. Und so nahm er Kontakt mit seiner Bank auf, denn so ein Festzelt ist ein gewaltiges finanzielles Projekt.

Die Bank war fassungslos

„Als ich mit meinem Anliegen bei der Bank erschien, konnte ich eine leichte Fassungslosigkeit meines Gegenübers erkennen. Er meinte nur, ob ich denn wüsste, dass Corona sei“, erzählt er mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht. Klar wusste Benz dies und blieb hartnäckig. Eine Eigenschaft, die ihn in seinem Leben oft weitergebracht hat. Und genau darin zeigt sich, was ihn ausmacht: Mut, Entschlossenheit und die Fähigkeit, Chancen zu erkennen, wenn sie sich unerwartet bieten.

„Als Unternehmer musst du mutig sein, um etwas zu erreichen“, ist er überzeugt.

Sechs Wochen später hatte er auch die Bank auf seiner Seite.

Heute steht er tatsächlich an der Spitze eines eigenen Festzelts. Was einst wie ein spontaner Spruch klang, entpuppt sich rückblickend als zukunftsweisender Moment – und als Beginn einer Geschichte, die er selbst so nie geplant hätte.

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