NÜRTINGEN. Kürzlich startete die Ortsgruppe Nürtingen und Reudern des Schwäbischen Albvereins unter der Leitung von Veronika Schneider zu einer Wanderung der besonderen Art: Die Streckenwanderung verband die Besichtigung der beiden Mittelpunkte Baden-Württembergs – ja, es gibt zwei! Nach einer problemlosen Anfahrt mit den „Öffis“ erreichten die zehn Wanderinnen und Wanderer kurz nach ihrem Start den ersten Mittelpunkt südlich von Böblingen, im Hörnleswald.
Seit 2017 ist dieser mit einer Stele markiert. Der Böblinger Landrat, Roland Bernhard, gab dem damaligen Leiter des Vermessungsamtes, Peter Scholl, den Auftrag, die Mitte des Landes im Landkreis zu verorten. Mit der Extremwertmethode gelang es diesem: Das Mittel aus der geographischen Breite des nördlichsten (Wertheim) und südlichsten Punktes (Grenzach-Wyhlen) sowie das Mittel aus der geographischen Länge des östlichsten (Dischingen) und westlichsten Punktes (Efringen-Kirchen) von Baden-Württemberg ergeben die Koordinaten dieses Mittelpunktes.
Die weitere Route führte dann an Holzgerlingen und zwei Skulpturen der Landart-Ausstellung Sculptoura vorbei durch den Platz des Golfclubs Schönbuch. Nach einer bei den heißen Temperaturen willkommenen Rast auf dem nahegelegenen Grillplatz begann für die Gruppe der Weg quer durch den Naturpark Schönbuch; dieser Naturpark ist zwar der flächenmäßig kleinste, aber dafür älteste der sieben Naturparke im Ländle und ein völlig geschlossenes, weitgehend unbesiedeltes Waldgebiet – eine echte Besonderheit.
An der Teufelsbrücke im Zusammenfluss des kleinen und des großen Goldersbachs gab es von der Wanderleiterin eine kleine Erfrischung mit Kaffee und Keksen in Form des Landesumrisses. Gestärkt ging es weiter durch den Schönbuch, vorbei an einigen Brunnen, bis zum Heuberger Tor an der Stadtgrenze von Tübingen. Das Wanderziel, der zweite Mittelpunkt Baden-Württembergs, war kurz danach erreicht. Idyllisch im Käsenbachtal gelegen, stellt dieser den geografischen Mittelpunkt, den Schwerpunkt des Landes, dar. Würde hier ein Riese das Land auf einen Finger setzen, wäre es ausbalanciert. Berechnet wurde er 1980 vom Stuttgarter Landesvermessungsamt; er ist seit 1986 mit einem Steinkegel markiert.
Angefüllt mit schönen landschaftlichen Eindrücken und zahlreichen Informationen und Geschichten auf der 22 Kilometer langen Wanderstrecke, setzte sich die Gruppe glücklich in den Zug nach Nürtingen.