NÜRTINGEN. „Wollen wir mal einen Kaffee trinken?“ Hinter dieser alltäglichen Frage steckt oft mehr als nur die Einladung zu einem Getränk. Sie steht für Begegnung, Austausch und dafür, miteinander ins Gespräch zu kommen. Genau diese Idee machten Elena Rang und Francesco della Volta beim Serenadenkonzert „Espresso Doppio – Zwei Violinen im Dialog“ der Musik- und Jugendkunstschule Nürtingen im Kleinen Saal der Stadthalle K3N zum Ausgangspunkt eines besonderen Konzertformats.
Mit „Espresso Doppio“ präsentierte das junge Duo erstmals sein gemeinsam entwickeltes Format. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie unterschiedlich Begegnungen und Gespräche verlaufen können. Zwischen den musikalischen Beiträgen nahmen Rang und della Volta immer wieder in einer Art Kaffeesetting Platz und kamen ins Gespräch. Was bedeutet es, sich auf einen Kaffee zu treffen? Wie verlaufen solche Begegnungen – mal leicht und ungezwungen, mal mit unterschiedlichen Ansichten oder Reibungen? Aus diesem authentischen Austausch entwickelten sich die Themen des Abends und die Übergänge zu den Werken. Die Gespräche waren Teil der Dramaturgie und bereiteten auf das vor, was die beiden anschließend musikalisch miteinander verhandelten.
Bei Mozarts Duo in B-Dur für Violine und Viola entwickelte sich zunächst ein leichter, beinahe selbstverständlicher Austausch. Die Stimmen begegneten sich auf Augenhöhe und griffen Gedanken auf. Mit großer Leichtigkeit und fein abgestimmtem Zusammenspiel ließen die beiden einen harmonischen Dialog entstehen.
Einen deutlichen Kontrast bildete Prokofjews Sonate für zwei Violinen. Im vorausgehenden Gespräch ging es darum, was geschieht, wenn Kommunikation schwieriger wird, unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen oder Gesprächspartner sich ins Wort fallen. Diese Gedanken fanden sich in der Musik wieder: Die Violinen forderten einander heraus, widersprachen sich und schienen miteinander zu ringen und zugleich wieder zu harmonieren. Mit Präzision, Energie und großer Spielfreude ließ das Duo die Gegensätze von Spannung und Entspannung hörbar werden.
Bei der Programmauswahl war den beiden wichtig, auch eine Komponistin aufzunehmen. Mit Grażyna Bacewicz öffnete sich eine weitere Perspektive. Im Gespräch rückte das Duo die Lebensumstände der polnischen Komponistin in den Mittelpunkt, die in einer von Krieg und politischen Umbrüchen geprägten Zeit lebte. Ihre siebensätzige Suite für zwei Violinen zeigte eine große musikalische Bandbreite, die das Duo mit präzisem Zusammenspiel und feinem Gespür für die unterschiedlichen Charaktere gestaltete.
Der Dialog entfaltete sich damit auf mehreren Ebenen. Zwischen zwei Menschen, zwischen den Instrumenten sowie zwischen gesprochenem Wort und Musik. Mit dieser Verbindung gelang Elena Rang und Francesco della Volta ein kurzweiliger, ungewöhnlicher Konzertabend, der neue Zugänge zu den Werken eröffnete und zeigte, wie vielfältig Begegnung sein kann – in Worten ebenso wie in Musik.