WOLFSCHLUGEN. Wir schreiben das Jahr 2062.
Eine Reihe von aufmüpfigen Kindern und Jugendlichen probt in Wolfschlugen den Aufstand mit ihrer handgemachten Musik. Beim Jugendorchester-Konzert in der Wolfschlüger Festhalle unter dem Motto „Mensch oder Maschine – wer macht die Musik?“ stellten sie kürzlich die von KI und Digitalismus dominierte Musikwelt auf den Kopf, in der menschengemachte Musik als unnötig und ungenau gilt.
Die Bläserklasse unter der Leitung von Musikschulleiter Rainer Schollenberger und die Jungmusikanten und die Jugendkapelle unter Leitung von Larissa Merkel riefen mit ihrer schwungvollen Konzertmusik allerdings das „Institut für musikalische Ordnung“ auf den Plan, welches aufgrund einiger Ungereimtheiten eine genauere Kontrolle durchführen und diesen mit dem speziellen Musikanalysesystem „Taktlos 3000“ auf den Grund gehen wollte.
Inspektor Taktlos und sein Praktikant Taktvoll waren sich sicher, dass menschlich erzeugte Klänge in der Musikwelt des 3. Jahrtausends nichts mehr zu suchen haben. Aber sie hatten die Rechnung ohne die Wolfschlüger gemacht, denn Stück für Stück geriet das Analysesystem an seine Grenzen.
Eines wurde bei der Entwicklung des Systems nämlich nicht bedacht: Tempo, Genauigkeit, Rhythmus, Dynamik mögen vielleicht analysierbar sein, aber Musik ist mehr, als in den Noten steht. Das, was zwischen den Notenzeilen steht, die Gefühle und die Spielfreude, die beim Spielen und Anhören von Musik entstehen, sind nicht messbar – zumindest nicht maschinell. Das System Taktlos 3000 meldete daher im Laufe des Konzertnachmittags irgendwann nur noch „Error“.
Inspektor Taktlos musste so am Ende doch einsehen, dass bei menschengemachter Musik andere Aspekte wichtig sind als bei digitaler Musik, und erteilte daher allen Wolfschlüger Jugendorchestern die „Lizenz zum Weitermusizieren“.
Dieser wundervolle Konzertnachmittag, der in Eigenregie von den Kindern und Jugendlichen mithilfe der Jugendverantwortlichen Larissa Merkel und Laura Engels auf die Beine gestellt worden war, zeigte aber auch, dass es emotionale Parameter in der Musik gibt, die durchaus doch messbar sind: die große positive Resonanz, die mit über 200 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllte Wolfschlüger Festhalle und der lang anhaltende Applaus waren mehr als der Beweis dafür, dass Musik lebt. Und hätte „Taktlos 3000“ die Gefühle der Kinder, Jugendlichen und Organisationsverantwortlichen an diesem Nachmittag messen können, hätte die Anzeige bei den Parametern Stolz und Glück sicher die Skala gesprengt.