NÜRTINGEN. Der Jubiläums-Rundgang der Freien Kunstakademie Nürtingen überzeugte mit hoher künstlerischer Qualität und einer entspannten Atmosphäre. Mehrere hundert Besucher nutzten am Wochenende das angenehme Sommerwetter, um der Kunstakademie einen Besuch abzustatten. Geschätzt wurden neben den spannenden Werken auch die Begegnungen und der Austausch auf dem stimmungsvollen Gelände am Neckar.
Am Freitagabend bewegten sich auf dem Dachtrauf des Nürtinger Melchiorareals die pinkfarbenen Bänder sanft im Wind und ein in derselben Farbe leuchtender Teppich führte vom Schlagplatz der Freien Kunstakademie die Stufen hinauf in die Keramikabteilung. Eine festliche Vorfreude war an diesem lauen Sommerabend zu spüren, als Vorstandsmitglied Winfried Stürzl ans Mikrofon trat, um einen ganz besonderen Rundgang zu eröffnen: die Ausstellung der Studierenden anlässlich des 50-jährigen Bestehens der FKN.
An den Schulgründer K. H. Türk, der einst mit einer Gruppe engagierter Nürtinger Bürger den Abriss des Fabrikgebäudes stoppte, erinnerte Stürzl ebenso wie an den kreativen Wandel, den die Akademie in den fünf Dekaden ihrer Existenz durchlebte. Und er lud dazu ein, sich im Sinne des Jubiläumsmottos auf das „Immer anders“ und damit auf die Veränderungen im eigenen Blick einzulassen, die Kunst zu erzeugen vermag. Anna Ohlmann, diesjährige Absolventin, machte anschließend in einer „Persönlichen Ode“ an die FKN anschaulich, warum ein Studium an diesem Ort besonders nützlich sei.
Dann öffneten sich die Türen und die Gäste strömten in die Ateliers. Über viele Wochen hinweg hatten die Studierenden die Jahresausstellung mit großem persönlichen Einsatz und viel Leidenschaft vorbereitet. Auf allen vier Stockwerken gab es künstlerische Arbeiten zu entdecken – aus den Bereichen Keramik, Druckgrafik, Installation, Malerei, Zeichnung und Fotografie. In vielen ausgestellten Werken ließ sich das Schwerpunktthema der letzten beiden Semester – „immer anders“ – wiederfinden. Und auch das Jubiläum selbst wurde in einer Reihe von Exponaten aufgegriffen. Etwa in einer Rauminstallation in der Galerie, die in Objekten aus Ton und Druckgrafiken das Thema Wandel mit der Zahl 50 und dem FKN-Gebäude verband, oder in einer Diashow, die über fünf Dekaden künstlerischer Lehre an der Akademie Auskunft gab.
Keramische Arbeiten wurden diskutiert, Zeichnungen aus einem Stück im Stuttgarter Theater „Rampe“ bewundert und Experimente mit dem Medium Fotografie erläutert. Im FKN_LAB für Kunst und Nachhaltigkeit wurden Farbordnungen in Kunst und Natur thematisiert, in der Abschlussarbeit von Van Thai Tran Höhen und Tiefen künstlerischen Arbeitens. Überall kamen die Gäste mit den Studierenden ins Gespräch.
Anna Ohlmann griff im Raum ihrer Abschlussarbeit immer wieder zum Saxofon, wo Zeichnung, Video, Sprache und die teils live gespielte Musik zu einer Recherche nach dem eigenen Standpunkt einluden. Auf einer großen, pinkfarbenen Plüschskulptur im ersten Stock durfte genussvoll entspannt werden. Im Gang davor formte sich ein Mobile aus farbigen Scherenschnitten – hergestellt von Besuchern – zu einer immer größeren Wolke. Und am Samstagabend ließ die Band Fuse59 mit groovigem Funk und Soul den Jubiläumsrundgang zum Sommerfest werden.