Neckartenzlingen

Jontef begeistert in Neckartenzlingen

Jontef beim Kulturring Neckartenzlingen. Foto: privat

NECKARTENZLINGEN. Vor fast hundert begeisterten Zuhörenden trat Jontef, das Klezmerquartett aus Tübingen, in der Kleinen Reihe des Kulturrings Neckartenzlingen mit seinem neuen Programm „In majn harzn brent a fajer“ auf. In ihm wurde das „Stedl“, ein untergegangener Sehnsuchtsort des aschkenasischen Judentums, lebendig, und dafür brauchte es weder Kulissen noch Requisiten. Denn das gesprochene Wort, das gesungene und musizierte Lied, die ausdrucksstarke Klangfarbigkeit der Instrumente sowie die Wahl und Abfolge der Stücke machten diesen Abend eindrücklich.

Hinreißend musizierten Michael Chaim Langer (Gesang, Percussion, Schauspiel), Hans Joachim Günther (Klarinette, Akkordeon), Wolfram Ströle (Violine, Gitarre) und Peter Falk (Kontrabass). Das Quartett verstand es, die verschiedenartigsten Stimmungen der Lieder feinsinnig und voller Spielfreude erlebbar zu machen – so in „Jches“, einem Lied von der einfachen Herkunft der Vorfahren, oder in „Schpil sche mir a lidele in jidisch“, in dem die Freude besungen wird, die ein jiddisches Lied erweckt. Oder in dem Lied vom Mantel aus altem Stoff, der, weil er aus allen Nähten platzt, immer wieder umgearbeitet wird, bis er zuletzt zu einem Garnichts wird. Daraus wird dann ein Liedchen gemacht. Ein scheinbar lustiges Lied, doch voller Tiefsinn.

Kontrastreich die Instrumentalstücke: Im „Tulpentanz“ lässt Günther seine Klarinette sprechen, singen und jubeln, Langer schlägt auf dem Tamburin den Takt, Ströle und Falk geben auf Violine und Kontrabass das Fundament. Ein voller Freude gespielter Tanz mit wechselnden Stimmungen, der nach einer kurzen, spannungssteigernden Stille im Jubel endet.

Innehaltende Elemente im Verlauf des Abends sind „Zu Zweien“ und „Karousel“, Duos für Violine und Bass: eindringlich ausgespielte Charakterstücke, klangfarbenreich und zu Herzen gehend.

Als drittes Element des spannungsreich aufgebauten Programms folgen zwei Geschichten des wandlungsfähigen Schauspielers Langer, die er mit sprechender Gestik, Mimik und gekonnter Körpersprache so packend erzählt, dass vor den Augen der Zuhörenden Menschen und Szenen im Stedl lebendig werden. Gleich eingangs trägt er die vergnügliche Brautwerbungsgeschichte vom berühmten „Hoffotografen“ aus München vor, „der gedient hat beim König von Bayern“, dessen Zwergwuchs die Eltern ihrer Tochter jedoch nicht lange verbergen können.

Am Ende folgt die Erzählung vom Rabbi Löw und den Wirrungen um einen Wunderrabbi, der nach Libowitz kommt. Diese Geschichte, in der talmudisches und chassidisches Rabbinentum pointenreich geschildert wird, mündet in das Lied „Jiddisch wieder“: mit Günther am Akkordeon, der tragenden, vollen, dunkel gefärbten Männerstimme von Langer, der singenden Violine von Ströle und dem grundlegenden Kontrabass von Falk. Nachdenklich der Schlussvers: „Was Jiddisch noch sein wird, kann man nicht wissen. …“

Frenetisch der verdiente Beifall, zwei Zugaben folgen. Das Publikum strömt aus der Halle hinaus in die dunkle Nacht. Samstag ist‘s. Shabbat.

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