Nürtingen

Großes Interesse an der Eckbank im Kroatenhof

Gemeinderätin Bärbel Kehl-Maurer mit der Eckbankmoderatorin Evelyn Fade auf der Eckbank im Kroatenhof. Foto: Petra Nimmrichter

NÜRTINGEN. Großes Interesse herrschte beim letzten Eckbankgespräch im Kroatenhof: Evelyn Fade hatte die langjährige SPD-Gemeinderätin und Fraktionsvorsitzende Bärbel Kehl-Maurer eingeladen.
Die Realschulkonrektorin im Ruhestand ist neben ihrer politischen Tätigkeit Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Baden-Württemberg und der Kirchheimer Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung. Der Lebenshilfe ist sie seit Jahren verbunden, da ihr Sohn mit Down-Syndrom dort betreut wurde. Auch familiär ist sie stark eingebunden. Sie hat sich jahrelang um ihren pflegebedürftigen Bruder gekümmert und betreut heute an zwei Tagen in der Woche ihre beiden Enkel.
Auf die Frage nach dem Antrieb für ihr Engagement berichtete Kehl-Maurer von ihrer Herkunft aus einer Familie, in der man sich mit schwierigen Umständen arrangierte. „Schon als Jugendliche habe ich mir immer gesagt, das will ich anders haben.“ Daraus entstand früh ihr Einsatz für bessere Lebensbedingungen. Sie gibt nicht schnell auf und beschreibt sich selbst als sehr hartnäckig, wenn es um die Umsetzung ihrer Ziele geht.
Auf den Nürtinger Frauenrat angesprochen, den Kehl-Maurer 1999 mitgegründet hat, berichtete sie von der Zusammenarbeit mit der Frauengeschichtswerkstatt und der Ausrichtung der Nürtinger Frauentage, an denen sich inzwischen viele Institutionen beteiligen. Der Frauenrat setzt sich für die Belange von Frauen ein und hat unter anderem für ein Nürtinger Frauenhaus gekämpft, das in den nächsten 1,5 Jahren Realität werden soll.
Auf die Frage nach den wichtigsten politischen Themen sieht Kehl-Maurer einen gesamten Themenkomplex rund um die Lebensqualität in Nürtingen. Soziale Teilhabe und das Thema Wohnen stehen dabei im Mittelpunkt. Der Kroatenhof gilt ihr dabei als ein Beispiel für moderne Wohn- und Lebensformen. Gleichzeitig macht sie darauf aufmerksam, dass immer mehr ältere Menschen in ihren Häusern bleiben müssen, weil es zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt.
Bei all ihrem Engagement stellte sich die Frage nach ihrer Kraftquelle. Kehl-Maurer betonte, dass ihre Familie eine zentrale Rolle spielt. Kraft geben ihr außerdem gutes Zeitmanagement, Selbstdisziplin und engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter sowie der Wille, etwas zu verändern.
In ihrer Freizeit wandert, liest und reist sie gerne. Besonders begeistert erzählte sie von ihrem Garten, in dem sie Gemüse anbaut und abschaltet.
In der anschließenden Fragerunde ging es unter anderem um das Kopfsteinpflaster in Nürtingen, das weiterhin eine große Barriere für Menschen mit Rollator darstellt.
Angesprochen auf aktuelle Diskussionen, in denen Menschen mit Behinderung häufig als Kostenfaktor dargestellt werden, zeigte sich Kehl-Maurer tief betroffen. Sie betonte, dass diese Leistungen ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben erst ermöglichen.

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