WENDLINGEN. Geschichte an den Orten erleben, an denen sie stattgefunden hat, über politische Fragen diskutieren und Kontakte über Ländergrenzen hinweg knüpfen: Der Kreisjugendring (KJR) Esslingen machte eine internationale Jugendbildungsfahrt nach Polen. Vertreter aus verschiedenen Jugendverbänden reisten dafür nach Pruszków und Warschau.
Im Mittelpunkt der Fahrt standen Erinnerungskultur, politische Bildung und der Austausch mit jungen Menschen. Gleichzeitig ging es darum, bestehende Verbindungen zu vertiefen und Kontakte für zukünftige deutsch-polnische Jugendbegegnungen zu knüpfen.
Ermöglicht wurde die Bildungsfahrt durch Förderungen des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) sowie des Landkreises Esslingen und des Landkreises Pruszków.
In Pruszków besuchte die Gruppe den jüdischen Friedhof. Für den KJR ist dieser Ort eng mit der eigenen internationalen Jugendarbeit verbunden: Bereits in den 2000er-Jahren hatten Jugendliche des KJR gemeinsam mit Esslinger Berufsschulen am Wiederaufbau des Friedhofs mitgewirkt.
Anschließend führte der Weg zum Museum Dulag 121. Das ehemalige deutsche Durchgangslager erinnert an die Deportation der Warschauer Bevölkerung nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands 1944. Zum Gedenken an die Opfer legten die Teilnehmenden Blumen an einem Denkmal nieder und hielten eine Schweigeminute ab.
Neben der historischen Bildung spielte der persönliche Austausch eine zentrale Rolle. In einer Schule in Pruszków traf die Gruppe auf Schüler, Studierende sowie Vertreter von Jugendorganisationen politischer Parteien. Bei einem Escape Room zur polnischen Geschichte lernten sich die deutschen und polnischen Teilnehmenden auf spielerische Weise kennen.
Für Giancarlo Crescente, Vorstand des Kreisjugendrings Esslingen, sind solche Begegnungen ein wichtiger Baustein für die weitere Zusammenarbeit: „Partnerschaft ist Zukunftsthema – gerade deshalb setzen wir uns dafür ein, dass sich junge Menschen international begegnen und miteinander in den Austausch kommen. Die Partnerschaft mit dem Landkreis Pruszków zeigt uns, wie eine gelebte deutsch-polnische Freundschaft aussieht. Eine Freundschaft auf Augenhöhe, ohne die deutsche Verantwortung in Vergessenheit geraten zu lassen.“
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des polnischen Parlaments, des Sejm, in Warschau. Dort kam die Gruppe mit der Abgeordneten Kinga Gajewska ins Gespräch. Diskutiert wurden politische und gesellschaftliche Fragen in Deutschland und Polen ebenso wie Themen, die junge Menschen beschäftigen.
Nach fünf intensiven Tagen nahm die Gruppe nicht nur viele Eindrücke aus Pruszków und Warschau mit nach Hause. Die Bildungsfahrt zeigte auch, wie historische Bildung, politische Diskussion und persönliche Begegnung miteinander verbunden werden können.