NÜRTINGEN. Dem „Weckruf für Frieden und Völkerrecht, für Demokratie und Menschenrechte“ folgten kürzlich etwa 50 Menschen. So starteten die 47. „Eine-Welt-Tage und Friedenswochen“ und setzten ein beeindruckendes Zeichen gegen „die Logik des Krieges, die die politische Debatte bestimmt, und weil wir wie Schlafwandelnde immer weiter in eine vor weniger Jahren noch unvorstellbare Aufrüstungsspirale hineinschlittern“.
Abwägende Stimmen lassen sich in dieser kriegsverherrlichenden Welt kaum noch finden. Umso wichtiger werden Appelle für den Frieden wie von UN-Generalsekretär UN-Generalsekretärs Guterres: „Wir dürfen niemals aufgeben. Das ist mein Versprechen an Sie. Für Frieden. Für Würde. Für Gerechtigkeit. Für die Menschlichkeit.“
Und Nikolaus Fischer-Romer ergänzte: „Ich zähle nicht zu denjenigen, die glauben, wer den Frieden will, muss den Krieg vorbereiten“, und zitierte in seinem Plädoyer für das Völkerrecht aus der Rede von Phillipe Sands, der aktuell den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat: „Jede Gemeinschaft hat ihre Regeln, die internationale Gemeinschaft ist da nicht anders. Es nennt sich Völkerrecht und es existiert seit Jahrhunderten. Die meisten der Regeln funktionieren gut. Jetzt ist die Zeit, für sie einzutreten, nicht zu schweigen, weil diese Errungenschaft heute angegriffen wird. Durch Russland, durch China, durch die USA. Das menschliche Streben nach gerechten Regeln, nach einer Herrschaft des Rechts, kann auch durch diese mächtigen Staaten höchstens verzögert, aber nicht aufgehalten werden.“
Diese Worte lassen Nikolaus Fischer-Romer selbst in den trostlosesten Stunden eine Wahrheit entdecken, die Guterres treffend zusammengefasst hat: „Macht liegt nicht in den Händen derjenigen, die beherrschen oder spalten. Wahre Macht entsteht aus den Menschen – aus unserem gemeinsamen Willen, Würde zu wahren, Gleichheit zu verteidigen, leidenschaftlich an unsere gemeinsame Menschlichkeit zu glauben und an das Potenzial jedes einzelnen Menschen.“
Der Weckruf wurde für Julia Rieger von NFANT zum Aufruf, Menschenrechte zu verteidigen, insbesondere für Geflüchtete, die hier Schutz suchen. Sie sind nicht nur den Folgen der Asylrechtsverschärfungen ausgesetzt. Darüber hinaus wird die rechtliche sowie psychosoziale Begleitung und unabhängige Beratung zunehmend durch finanzielle Kürzungen bedroht.
„Abschottung und Ausgrenzung dürfen nicht zur Normalität werden“, so Julia Rieger und setzt dagegen: „Wir lassen uns nicht entmutigen – weder durch die Verschärfungen im Asylrecht noch durch Rechtsextremismus, der auch hier bei uns seine menschenverachtenden Vorstellungen verbreiten will. Wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Wir werden sichtbar und wir handeln.“
Und „wir werden laut“, wurde von allen auf dem Schillerplatz ergänzt, indem sie zum Abschluss mit vielen Instrumenten einen aufweckenden Krach inszenierten, der weit in die Straßen von Nürtingen gehört werden sollte.