NÜRTINGEN. Unter dem Titel „Auf den Spuren der Wald-Dichter“ hatte die Nürtinger Zeitung auf die Lesung der Literaturhistorikerin Anna Knechtel im Haus der Heimat hingewiesen.
Anna Knechtel stellte dabei zwei Autoren aus dem Sudetenland, Gustav Leutelt (1860 bis 1947) aus dem Isergebirge in Nordböhmen sowie Rosa Tahedl (1917 bis 2006) aus dem Böhmerwald in Südböhmen, vor.
Der Vorsitzende der Heimatgruppe Nürtingen des Deutschen Böhmerwaldbundes, Alfred Kopany, konnte 50 Gäste im Haus der Heimat begrüßen. Die Veranstaltung, die zusammen mit dem Adalbert Stifter Verein aus München als Mitveranstalter durchgeführt wurde, war Teil der Veranstaltungsreihe des Adalbert-Stifter-Vereins „Literatur im Café“.
Anna Knechtel stellte die beiden Autoren in verschiedenen Passagen vor, unterstützt wurde sie dabei von Franz Jungwirth, der einzelne Passagen aus den Büchern von Gustav Leutelt, sowie von Elke Kindermann, die Passagen aus den Büchern von Rosa Tahedl vorlas. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch die Stubenmusik der Böhmerwäldler.
Beide Autoren schreiben in ihren Büchern über die Lebenssituationen zu ihrer Zeit in den beiden Waldgebirgen. Gustav Leutelt wendet sich dabei den sozialen Themen zu, die mit der wachsenden Industrialisierung einhergingen. Arbeitsschutz war zu dieser Zeit noch ein Fremdwort.
Rosa Tahedl war von Beruf ebenfalls Lehrerin, konnte den Beruf jedoch nur während der deutschen Besatzung von 1938 bis Anfang 1945 ausüben, davor war es aufgrund der tschechoslowakischen Schulpolitik für deutsche Lehrer nur sehr begrenzt möglich. Nach dem 2. Weltkrieg war es mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung wiederum nicht möglich. Da sie zu den wenigen Ausnahmen gehörte, die nicht mehr vertrieben wurden, verblieb sie in der Tschechoslowakei und musste dort unter anderem als Waldarbeiterin im Böhmerwald arbeiten.
In ihren Büchern beschriebt sie die Situation vor dem 2. Weltkrieg und während des Kommunismus hinter dem Eisernen Vorhang, 1964 durfte sie in die BRD ausreisen.
Es war eine sehr abwechslungsreiche und interessante Veranstaltung, vor allem die Geschichten von Rosa Tahedl berührte uns als Böhmerwäldler, aber auch die anderen Gäste sehr. Vielen Dank an Anna Knechtel, sowie an Elke Kindermann und Franz Jungwirth sowie an die Stubenmusik.