Jürgen Merkle, Neuffen. Zum Artikel „Telefonische Krankmeldung auf der Kippe?“ vom 21. Januar.
Wenn Herr Merz behauptet, wir seien zu lange krank und würden zu wenig arbeiten, und Herr Linemann nachlegt, die Rentner würden zu wenig schuften, dann klingt das nach einem Deutschland, das es so gar nicht gibt – außer vielleicht in den Köpfen mancher Berufspolitiker. In der Realität sieht es anders aus: Millionen Beschäftigte halten den Laden am Laufen, machen Überstunden, springen für fehlende Kolleginnen und Kollegen ein und arbeiten sich gesundheitlich kaputt. Rund sechs Millionen Überstunden im Jahr bleiben unbezahlt. Das ist nichts anderes als legalisierte Ausbeutung. Aber darüber schweigt man lieber, statt die eigene Klientel in der Wirtschaft zu verärgern.
Jetzt wird sogar eine einfache, sinnvolle Maßnahme wie die telefonische Krankschreibung diffamiert, als würde halb Deutschland morgens gemütlich im Pyjama beschließen: „Heute feiere ich mal krank.“ Die Wahrheit ist: Viele gehen viel zu lange krank zur Arbeit, aus Angst vor Druck, Kündigung oder blöden Sprüchen. Und ausgerechnet aus dem Bundestag kommen dann Moralpredigten über Arbeitsmoral. Dort erlebt man regelmäßig einen halbleeren Plenarsaal und Abgeordnete, die auf dem Handy tippen oder miteinander schwätzen, während andere reden. Wer so mit demokratischer Arbeit umgeht, sollte beim Thema „Arbeitsmoral“ lieber sehr leise sein. Nicht die Beschäftigten und nicht die Rentner sind das Problem. Das Problem sind Politiker, die nach unten treten, statt nach oben Verantwortung einzufordern – für gute Arbeit, faire Löhne und Gesundheitsschutz.
Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
Bunker statt Blindflug
Sibylle Heller-Scheufele. Zum Artikel „Das Munitionsdepot ist halb mit Erde bedeckt“ vom 19. Mai.
Ich bin doch ein wenig verwundert, warum man in diesen unsicheren Zeiten vorhandene Bunker für viel Geld unter Erdaushub vergräbt. Gleichzeitig gibt es ...
Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
Staatsräson darf kein Schweigen bedeuten
Gerhard Härer, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Rechte Regierung schürt rechte Gewalt“ vom 22. Mai.
Vielen Dank für diesen Beitrag! Vorab: Die immer wieder aufgeführte „Staatsräson“ verstehe ich so, dass der Staat Israel mit seinen mehrheitlichen ...