Jürgen Merkle, Neuffen. Zum Artikel „Telefonische Krankmeldung auf der Kippe?“ vom 21. Januar.
Wenn Herr Merz behauptet, wir seien zu lange krank und würden zu wenig arbeiten, und Herr Linemann nachlegt, die Rentner würden zu wenig schuften, dann klingt das nach einem Deutschland, das es so gar nicht gibt – außer vielleicht in den Köpfen mancher Berufspolitiker. In der Realität sieht es anders aus: Millionen Beschäftigte halten den Laden am Laufen, machen Überstunden, springen für fehlende Kolleginnen und Kollegen ein und arbeiten sich gesundheitlich kaputt. Rund sechs Millionen Überstunden im Jahr bleiben unbezahlt. Das ist nichts anderes als legalisierte Ausbeutung. Aber darüber schweigt man lieber, statt die eigene Klientel in der Wirtschaft zu verärgern.
Jetzt wird sogar eine einfache, sinnvolle Maßnahme wie die telefonische Krankschreibung diffamiert, als würde halb Deutschland morgens gemütlich im Pyjama beschließen: „Heute feiere ich mal krank.“ Die Wahrheit ist: Viele gehen viel zu lange krank zur Arbeit, aus Angst vor Druck, Kündigung oder blöden Sprüchen. Und ausgerechnet aus dem Bundestag kommen dann Moralpredigten über Arbeitsmoral. Dort erlebt man regelmäßig einen halbleeren Plenarsaal und Abgeordnete, die auf dem Handy tippen oder miteinander schwätzen, während andere reden. Wer so mit demokratischer Arbeit umgeht, sollte beim Thema „Arbeitsmoral“ lieber sehr leise sein. Nicht die Beschäftigten und nicht die Rentner sind das Problem. Das Problem sind Politiker, die nach unten treten, statt nach oben Verantwortung einzufordern – für gute Arbeit, faire Löhne und Gesundheitsschutz.
Leserbriefe | 13.03.2026 - 05:00
Rückhalt für Entscheidungsträger
Franziska Reuß, Nürtingen.
Mit Verwunderung stelle ich immer wieder fest, dass die Kritik am Projekt Stadtbalkon nach über drei Jahren nicht abebbt. Die Möglichkeit, politische Entscheidungen zu kritisieren, ist glücklicherweise Grundpfeiler unserer ...
Leserbriefe | 13.03.2026 - 05:00
Keine sinnvolle Forderung
Eberhard Schmid, Aichtal-Grötzingen. Zum Zitat des Tages von Jan van Aken vom 5. März.
Die Linke kann solche Forderungen stellen, weil sie hoffentlich nie in Regierungsverantwortung kommt. Leider gibt es immer ein paar Leute, die glauben, wenn die ...