Leserbriefe

Wenn Krisen Existenzen zerstören

Joachim Panzer, Erkenbrechtsweiler. Zum Artikel „Topex in Erkenbrechtsweiler meldet Insolvenz an“ vom 20. Februar.

Mit der Insolvenz der Topex GmbH erreicht die Wirtschaftskrise nun auch Erkenbrechtsweiler. Wieder ist ein Familienunternehmen in seinem Fortbestand bedroht. Schon die Insolvenz der Papierfabrik Scheufelen 2019 hatte gravierende Folgen für das Lenninger Tal und die umliegenden Albgemeinden. Wirtschaftskrisen zerstören Existenzen, schwächen die sozialen Sicherungssysteme und vertiefen die gesellschaftliche Spaltung. In den aktuellen Debatten über Renten- und Arbeitsmarktreformen werden diese Schattenseiten unseres Wirtschaftssystems jedoch kaum berücksichtigt. Trotz Fachkräftemangels finden junge, gut Ausgebildete wie auch ältere Beschäftigte in der Krise schwer einen Arbeitsplatz.

Das zeigt, dass Erwerbsbiografien nicht nur von Leistung und Fähigkeiten abhängen, sondern auch von Zufall und äußeren Umständen. Vor rund 40 Jahren wurden in großen Industriebetrieben die ersten Vorruhestandsregelungen eingeführt. Frühverrentung dient bis heute dem Arbeitsplatzabbau. Während der Transformation der ostdeutschen Planwirtschaft wurden ganze Jahrgänge in die Frührente geschickt. Auch SAP hat kürzlich rund 3000 Beschäftigte ab 54 Jahren per Abfindung in den Vorruhestand verabschiedet. Einige profitieren davon – die Mehrheit der Betroffenen jedoch nicht. Für viele bedeutet längere Arbeitslosigkeit vor Rentenbeginn ein hohes Risiko der Altersarmut. Genau hier müssen Renten- und Arbeitsmarktreformen ansetzen, wenn das Vertrauen in sozialstaatliche und politische Institutionen erhalten bleiben soll. Politik und Wirtschaft müssen dringend tragfähige Lösungen entwickeln, um Menschen in wirtschaftlichen Umbrüchen besser zu schützen.

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