Sabrina Gogel, Neckartailfingen. Zum Artikel „Regeln für Krankschreibungen: Ärzte kritisieren Verschärfung“ vom 4. Juli.
Die aktuell diskutierte Verpflichtung für Arbeitnehmende, bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen, und im gleichen Zug die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, wirft für mich vor allem eine Frage auf: Wem soll diese Regelung nützen? Den Unternehmen, denen man hier unter die Arme greifen wollte, um die angeschlagene Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen, hilft dieser Vorschlag aus meiner Sicht nicht. Bereits heute können Arbeitgeber nach Paragraf 5, Absatz 1 des Entgeltfortzahlungsgesetzes im Einzelfall verlangen, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag vorgelegt wird.
Eine pauschale Verschärfung für alle Arbeitnehmenden ist deshalb weder zielgerichtet noch erforderlich. Stattdessen werden Arbeitnehmende unter Generalverdacht gestellt und zugleich Unternehmen bevormundet, denen diese Entscheidung bereits heute im Einzelfall selbst überlassen ist. Zielführender und nachhaltiger wäre eine Analyse der in diesen Tagen häufig zitierten Durchschnittswerte bei den Krankheitstagen. Diese eindimensionale Betrachtung vermittelt kein realistisches Bild über das Krankheitsgeschehen der Belegschaft, denn bereits wenige Langzeiterkrankte können zu erheblichen Verzerrungen bei der Ermittlung der Durchschnittswerte führen. Statt Symbolpolitik wäre eine sorgfältige Analyse der Ursachen hoher Fehlzeiten sinnvoll. Insbesondere der deutliche Anstieg psychischer Langzeiterkrankungen sollte stärker in den Blick genommen werden. In diesem Sinne fällt mein Fazit eindeutig aus: Diese Maßnahme ist ungeeignet, die Produktivität und damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zu stärken. Sie trägt zur Demotivation der Beschäftigten bei und schwächt das gegenseitige Vertrauen. Wer die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes nachhaltig verbessern möchte, sollte auf differenzierte Lösungen und die Bekämpfung der Ursachen hoher Fehlzeiten setzen – nicht auf pauschale Verschärfungen.
Leserbriefe | 10.10.2026 - 05:00
Endlich in die Gänge kommen
Eberhard Schmid, Aichtal-Grötzingen. Zum Artikel „Große Pflegereform vertagt: Mehr Beiträge für Kinderlose“ vom 1. Oktober.
Was ist das für eine Regierung, die selbst keine Beschlüsse zustande bringt? Es wird Tag und Nacht zusammen gesessen und dann ...
Leserbriefe | 10.10.2026 - 05:00
Ein schlechter Scherz
Jürgen Merkle, Neuffen. Zum Artikel „Spahn verlässt Haushaltsausschuss“ vom 30. September.
Wenn die CDU über den Arbeitsmarkt debattiert, klingt das gewöhnlich so: Die Work-Life-Balance sei eine Fehlentwicklung, Teilzeit ein bequemer „Lifestyle“ und ...