Jürgen Merkle, Neuffen. Zum Zitat des Tages “Wenn man 100 wird, dann darf man nicht mit Mitte 60 aufhören zu arbeiten“ vom 14. Februar.
Dass Jens Spahn aus dem sicheren Berliner Abgeordnetensessel heraus verkündet: „Wer 100 wird, kann nicht mit Mitte 60 aufhören zu arbeiten“, ist an politischer Arroganz kaum zu überbieten. Hier wird Wasser gepredigt und Champagner getrunken. Herr Spahn, der nach seiner Lehre kaum ein Jahr versicherungspflichtig arbeitete, bevor er 2002 im Bundestag Wurzeln schlug, scheint jede Bodenhaftung verloren zu haben. Es ist ein Schlag ins Gesicht für alle Pflegekräfte, Kita-Erzieher und Schichtarbeiter auch hier bei uns im Kreis Esslingen, die ihren Dienst oft mit kaputtem Rücken verrichten. Spahn und Gesinnungsgenossen wie JU-Chef Johannes Winkel malen das Bild einer unendlichen Arbeitskraft, die für die hart arbeitende Bevölkerung schlichtweg nicht existiert. Wie wäre es mit einem Jahr Praxistest? Zwölf Monate Nachtschicht in der Pflege oder auf dem Bau, das Leben in einer Mietwohnung, finanziert allein vom dortigen Lohn inklusive der geforderten Zehn-Stunden-Tage. Die eigenen Diäten könnten in dieser Zeit gespendet werden. Nach über 20 Jahren in der „Berlin-Bubble“ winkt Abgeordneten ab 67 eine Altersentschädigung von über 7.500 Euro monatlich – wohlgemerkt ohne eigene Beitragsleistung. Im krassen Gegensatz dazu steht der normale Arbeiter, der froh sein kann, wenn er auf 1.500 Euro gesetzliche Rente kommt. Diese Ungleichheit ist kein Zufall, sondern System. Zudem ignoriert Spahn die Biologie: Wer körperlich schuftet, stirbt statistisch früher. Eine pauschale Erhöhung des Rentenalters ist für diese Menschen eine versteckte Rentenkürzung. Weg mit dieser Doppelmoral! Wer von den Bürgern mehr Einsatz fordert, sollte erst einmal beweisen, dass er die Realität außerhalb des Plenarsaals noch kennt.
Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
Bunker statt Blindflug
Sibylle Heller-Scheufele. Zum Artikel „Das Munitionsdepot ist halb mit Erde bedeckt“ vom 19. Mai.
Ich bin doch ein wenig verwundert, warum man in diesen unsicheren Zeiten vorhandene Bunker für viel Geld unter Erdaushub vergräbt. Gleichzeitig gibt es ...
Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
Staatsräson darf kein Schweigen bedeuten
Gerhard Härer, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Rechte Regierung schürt rechte Gewalt“ vom 22. Mai.
Vielen Dank für diesen Beitrag! Vorab: Die immer wieder aufgeführte „Staatsräson“ verstehe ich so, dass der Staat Israel mit seinen mehrheitlichen ...