Maike Pfuderer, Stuttgart. Zum Leserbrief „Wirklich links-liberal?“ vom 21. März.
„Links-liberal“ ist kein Suchbegriff im Inhaltsverzeichnis eines Parteiprogramms, sondern eine politische Haltung. Wer meint, Politik erschöpfe sich in der Zählung von Begriffen auf 136 Seiten Papier, macht es sich bemerkenswert einfach. Bündnis 90/Die Grünen stehen programmatisch für Bürgerrechte, gesellschaftliche Vielfalt und individuelle Freiheit – also für das, was man landläufig als liberal bezeichnet. Gleichzeitig vertreten sie soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Schutz vor Diskriminierung. Genau diese Verbindung beschreibt „links-liberal“ sehr treffend, auch wenn der Begriff nicht im Register steht.
Dass ausgerechnet daraus ein Vorwurf konstruiert wird, sagt mehr über ein sehr enges Verständnis von Politik aus als über meine Position. Wer dann noch eine vielfältige Partei auf einzelne Personen oder vermeintliche Strömungen reduziert, verkennt bewusst ihre Breite. Die Grünen waren immer mehr als einzelne Köpfe – und genau darin liegt ihre Stärke. Und ja: Eine liberale Haltung zeigt sich nicht nur in Programmen, sondern im Umgang mit Vielfalt, mit Minderheiten und mit gesellschaftlicher Realität. Gerade daran entscheidet sich, wie glaubwürdig politische Begriffe tatsächlich sind. Vielleicht erklärt das auch, warum manche politische Realität so konsequent verfehlt wird.
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