Leserbriefe

Wahrheit nur kurz gestreift

Maike Pfuderer, Stuttgart. Zum Artikel „Hagel nimmt kein Blatt vor den Mund“ vom 23. Februar.

Manuel Hagel nimmt nicht nur kein Blatt vor den Mund, er nimmt es auch mit den Werten nicht so genau, die für das C im Namen seiner Partei stehen. Denn die Wahrheit ist uns Christen bereits seit dem zweiten Buch Mose geboten: „Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten“, lesen wir in 2. Mose 20,16. Und die Nächsten sind für einen Menschen, der Ministerpräsident werden will, alle Menschen in unserem Bundesland – auch die mindestens 70 Prozent, die Hagel und seine heutige CDU nicht wählen.

„Nur kurz“ sei eine beliebte Floskel des gelernten Bankkaufmanns aus Ehingen, lesen wir. Nur kurz – zu kurz kommt die Wahrheit in seinen Worten. Wenn der Ausstieg aus der Atomkraft ein Fehler war, so verschweigt er, wer diesen vermeintlichen Fehler beging – es war seine Partei unter der am Freitag auf der Messe bejubelten Frau Dr. Merkel. Was er als Pragmatismus beim Naturschutz bezeichnet, ist letztlich nichts anderes als gescheiterte Ideen der 80er- und 90er-Jahre im Gewand des Blödsinns von heute, den man auch am rechten Rand lesen kann – auch wenn er sich von der vermeintlichen Alternative abgrenzen will.

Er ist nicht nur im Umgang mit der Wahrheit nahe dran, sondern auch bei der Abwicklung von Bürgerrechten. Auch Hagel zündelt hinter der Brandmauer. Zurück zur Wahrheit, die er „nur kurz“ streift: So ist es auch bei den erneuerbaren Energien, die er gegen die Ökopunkteverordnung aus dem Jahr 2010 ausspielen will, die von Tanja Gönner (CDU) erlassen wurde. Das Land hat bereits 2023 unter grün geführter Landesregierung den rechtlichen Rahmen für straßennahe Photovoltaik geschaffen. Koalitionspartner der CDU sind wir Grünen. Photovoltaik wird aktuell von seiner Parteifreundin Katherina Reiche und deren wirren Stromnetzplänen bedroht. Ganz kurz gesagt: Unter Manuel Hagel droht nicht nur der Wahrheit ganz massiver Hagelschaden.

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