Leserbriefe

Wahlerfolg der Grünen ist eine Art Pyrrhussieg

Walter Stahli, Nürtingen. Zum Artikel „Video oder Wirtschaft – was hat die Wahl entschieden?“ vom 16. März.

Die Euphorie der Grünen angesichts der relativ guten Ergebnisse bei der Landtagswahl ist verständlich. Denn laut den vorläufigen Endergebnissen der Landtagswahl 2026 haben die Grünen bei den Zweitstimmen mit einem Vorsprung von lediglich 27.354 Stimmen beziehungsweise 0,5 Prozent (GRÜNE 30,2 Prozent, CDU 29,7 Prozent) die besten Ergebnisse erzielt. Laut Wahlanalysen verdanken die Grünen diesen geringen Vorsprung auch den jungen 16- bis 18-jährigen Erstwählern, die jetzt alle Rechte, aber so gut wie keine Pflichten haben.

Ein weiterer Grund für diesen Erfolg war nach Meinung von Rainer Faus auch das ins Netz gepostete „Rehaugen-Video“. Und ich glaube, dass auch die Briefwahl ein wenig zu den guten Ergebnissen für Özdemir und seine Partei beigetragen hat. Genau betrachtet ist der Wahlerfolg der Grünen aber eine Art Pyrrhussieg, denn im Vergleich zur Landtagswahl 2021 haben sie 2,4 Prozent an Zustimmung verloren. Bei den nächsten Wahlen und einem weiteren solchen „Sieg“ könnte der grüne Machtanspruch Geschichte werden.

Bei den Erststimmen hatte die CDU mit 1.837.109 Stimmen und 56 Direktmandaten eindeutig die Nase vorn. Auch deswegen besteht jetzt im Landtag ein seltenes Patt, da sowohl die Grünen als auch die CDU jeweils 56 Mandate erhielten. Bestimmt kein Grund zur Freude für die Grünen. Denn mit diesem Patt schwebt quasi ein Damoklesschwert über dem Kopf des zukünftigen Ministerpräsidenten Cem Özdemir! Und dieses „Schwert“ könnte fallen, wenn zum Beispiel ein Mandatsträger aus der AfD wegen Frohmaiers Schwärmerei für Putins Russland zur CDU wechselt. So etwas ist mit Claudia Martin schon einmal vorgekommen. Es könnte aber auch ein zu kurz gekommener „Parteifreund“ von Özdemir sein, der mit Cems Regierungsstil nicht einverstanden ist und nach seinem Parteiaustritt als Fraktionsloser im Landtag bleibt. Wie geht es dann weiter?

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