Leserbriefe

Viele Frauen erleben Grenzüberschreitungen

Gabriele Kapp, NT-Oberensingen. Zu den Leserbriefen vom 13. März.

Die Debatte darüber, ob hier eine „Schmutzkampagne“ vorliegt, verfehlt den Kern. Eigentlich hätte die Situation die Chance geboten, souverän zu zeigen, dass gesellschaftliches Lernen möglich ist – auch in der Politik ! Viele Frauen erleben weiterhin und wie die Statistik zeigt, zunehmend über lange Phasen ihres Lebens Grenzüberschreitungen bis heute als Teil ihres Alltags – auch hier in unserer Region. Oft unspektakulär, aber immer nach denselben Mustern: Machtgefälle, Altersgefälle, Erfahrungsgefälle. Deshalb reagieren viele sensibel auf solche Themen. Es geht selten um Einzelfälle, sondern um Strukturen.

Das Grundproblem ist unsere Kultur – sie verstärkt diese Spannung: Männer gelten als konnotiertes Schöpfergeschlecht immer noch als Maßstab von Autorität und Gestaltung. Gleichzeitig sollen Frauen, obwohl jede Generation ihren Ursprung in ihnen hat, zu ihnen aufschauen. Diese widersprüchliche Erwartung verhindert echte Augenhöhe. Sehr zum Schaden von Zusammenhalt, Frieden, Freiheit und Sicherheit ! Solange wir diese Strukturen nicht ehrlich benennen, drehen sich solche Debatten weiter im Kreis – auch bei uns vor Ort.

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