Joachim Braun, Nürtingen. Zum Artikel „Schüler demonstrieren gegen Wehrdienst“ vom 6. März.
Mit großem Befremden habe ich zur Kenntnis genommen, dass die jüngsten Schulstreiks gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht und gegen Aufrüstung vielerorts mit Bußgeldern in Höhe von 20 Euro und mehr geahndet werden. Gerade hier in Nürtingen haben in der Vergangenheit sehr viele „Fridays for Future“-Demonstrationen stattgefunden. Damals wurden die Jugendlichen für ihr politisches Engagement und ihren Mut gefeiert. Politik und Schulbehörden drückten beide Augen zu, wenn für das Klima gestreikt wurde – es wurde als „gelebte Demokratie“ und „politische Bildung“ gelobt.
Als Bürger der Generation 60+ (66 Jahre alt) blicke ich mit Sorge auf die aktuelle Entwicklung. Dass nun dieselbe engagierte Jugend, die sich gegen die Militarisierung ihrer Zukunft und für den Frieden einsetzt, mit Bußgeldbescheiden abgestraft wird, empfinde ich als tiefgreifend verlogen. Geht es hier wirklich noch um die Einhaltung der Schulpflicht oder vielmehr darum, unliebsamen Protest gegen den aktuellen sicherheitspolitischen Kurs im Keim zu ersticken? Werden junge Menschen nur dann für ihr Engagement gelobt, wenn ihre Forderungen der Regierung genehm sind? In einer Zeit, in der wir über die Verteidigung demokratischer Werte sprechen, sollte man junge Menschen nicht bestrafen, wenn sie genau diese Werte – Gewissensfreiheit und Friedensliebe – friedlich auf der Straße einfordern.
Ich erkläre mich solidarisch mit den Schülerinnen und Schülern, die für ihre Überzeugungen einstehen, und fordere ein Ende dieser ungerechten Doppelmoral bei der Bewertung politischer Proteste.
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