Leserbriefe

Tarifstreit zur Unzeit

Jürgen Weiß, Beuren. Zum Artikel „In Kürze unter zwei Millionen“ vom 27. Januar.

Eigentlich sollten die sinkenden Mitgliederzahlen die Gewerkschaften alarmieren. Wer jetzt noch weiter an der Lohnspirale dreht, hat die Sorgen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht verstanden. Die hohen Löhne in unserem Land haben eine Preisspirale in Gang gesetzt. Im Binnenmarkt lässt sich das hohe Lohn- und Preisniveau kaum ertragen, und der Arbeitnehmer hat effektiv nicht mehr in der Tasche. Als Exportland sind wir allerdings im internationalen Vergleich zu teuer und nicht mehr konkurrenzfähig. Die Arbeitslosenquote in unserem Land schnellt nach oben. Diese Zusammenhänge sollten auch die Gewerkschaften mittlerweile verstanden haben.

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer honorieren das Vorgehen der Gewerkschaften mit Austritten, in Baden-Württemberg minus 3,9 Prozent. Das zuständige Vorstandsmitglied der IG Metall BW, Nadine Boguslawski, erteilt dem von der Arbeitgeberseite erwarteten Lohnverzicht der rund 3,8 Millionen Beschäftigten in der Krise schon einmal eine Absage und mutmaßt: Der Konsum bundesweit sei angesichts wegbrechender Exporte einer der Hoffnungsschimmer für die Wirtschaft.

Dies konnte man in dem Artikel „In Kürze unter zwei Millionen“ von Matthias Schiermeyer lesen. Das zuständige Vorstandsmitglied der IG Metall BW scheint nicht verstanden zu haben, dass wir nicht allein vom bundesweiten Konsum existieren können, sondern ein Exportland sind.

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